Erntebericht 2014

Wieder einmal hat uns die Natur viel Respekt eingeflößt. Neue Herausfor­derungen im Weinberg und besondere Klimaverhältnisse erforderten eine sehr intensive, hochselektive Lese in einem engen Zeitfenster. Die harte Arbeit wurde jedoch mit hocharomatischen Trauben mit viel Geschmack belohnt.

Ein verrücktes Jahr, dieses 2014. Ein sehr milder Winter ohne nennenswerte Kälteperioden und ein sehr trockenes Frühjahr mit enorm frühem Austrieb und früher Blüte schon in den ersten Junitagen. Der Sommer wurde dann recht abwechslungsreich und gab den Reben wichtige Niederschläge. Die Reben waren durstig und bekamen mit dem nicht zu warmen Sommer sozusagen eine Erholungskur. Juli und August hatten die Niederschlagsbilanz wieder enorm aufgefüllt und wir waren etwas angespannt, weil ein früher Jahrgang mit feuchtem Sommer die Reife enorm beschleunigen kann.

Wir bemerkten schon durch den Sommer, dass sich allerlei Getier im Weinberg durch den milden Winter prächtig entwickeln konnte und uns wurde die Kirschessigfliege im Weinberg und in den Medien vorgestellt. Eine Drosophila Art, die Beeren (eher die roten Sorten) anstechen und darin ihre Eier ablegen, wodurch die Trauben wegen der folgenden Essigentstehung ungenießbar werden. Sie kommt ursprünglich aus Asien und wurde vor ein paar Jahren das erste Mal im südlichen Europa gesichtet. Nun ist sie auch bei uns aufgetaucht. Die Geschwindigkeit, in der sie sich fortpflanzen kann, ist beängstigend; wir hatten sichtlich Respekt.

Pinot Noir im Niersteiner Kranzberg.

Nach der Ernte können wir sagen, dass die Kirschessigfliege mit Ausnahme eines Weinberges lediglich geringe Schäden bei uns verursacht hat. Es war auch eher das Zusammenspiel mit Wespen, Vögeln und Ameisen, das die Beeren teilweise aufreißen ließ. Die Kirschessigfliege ist aber gewiss eine Bedrohung für den Weinbau in der Zukunft und man muss sehen, wie man ihr Herr wird. Die angebotenen Mittel kamen in diesem Jahr für uns nicht in Frage, da sie auch Nützlinge angreifen oder Rückstände im Wein verursachen.

Pinot Noir

Von Hand selektierte hocharomatische Pinot Noir Trauben.

Am 15. September fiel der Startschuss für die Lese 2014 mit dem Pinot Noir im Niersteiner Kranzberg. Die erste Septemberhälfte war trocken, sonnig und brachte trocknenden Nordwind. Optimale Bedingungen so kurz vor der Lese. Mit viel Muße und Selektion brachten wir hocharomatische Trauben in kleinen Kisten ins Weingut. Danach war der Niersteiner Paterberg dran, der uns mit sehr gesunden und knackigen dunklen Schalen begeisterte. Wir lesen unsere Pinot Noirs ca. 100 Tage nach der Blüte, eine Philosophie wie sie im Burgund beinahe flächendeckend praktiziert wird. Damit wir die nötige Dichte und Reife zu diesem frühen Zeitpunkt haben, regulieren wir den Ertrag stark nach unten. Mit 21 hl/ha im Paterberg und 39 hl/ha im Kranzberg liegen wir bewusst tief.

In den folgenden Tagen haben wir Weißburgunder und Rosé gelesen. Sie waren noch komplett gesund. Die Weine zeichnet eine fruchtige, dichte Art aus, die sehr viel Charme versprüht.

Riesling

Am 20. September konnten wir ein seltenes Phänomen beobachten: ein Herbstgewitter zog über Nierstein. Blitz, Donner und 23 Liter Regen pro Quadratmeter fielen. Anschließend blieb es warm bei angenehmen 26 Grad tagsüber. Temperaturen, die man sich im August in Deutschland gewünscht hätte. Wir ernteten zwei wundervolle Chardonnay Partien und viele geschmacksintensive Rieslinge von dort an. Vieles war sehr gesund und brachte tolle Moste. In diesen Tagen brachten wir unseren Rotschiefer und unseren Bodenschatz ein.

Reife und gesunde Rieslingtrauben.

Doch lange hielten die Trauben diesen Bedingungen nicht stand. 
Die hohen Temperaturen verursachten kleine Risse auf den Rieslingtrauben. Zu diesem Zeitpunkt stimmte die Reife, der Geschmack der Beeren und die analytischen Werte der Großen Lagen absolut und es ging letztendlich darum sehr gesunde hochreife Trauben zu selektionieren, kurzum das Beste aus dem Jahrgang im weißen Bereich heim zu holen.

Am 28. und 29. September haben wir das Pettenthal GG mit ca. 28 hl pro Hektar gelesen. Hochreife Beeren, voller Orangenfrucht und Feinheit. Am 30. September kam vorerst der Höhepunkt beim Riesling: Der Zehnmorgen lieferte wundervolle knackige Trauben, wenig war auszusortieren, traumhafter Geschmack, eines der Highlights der Lese 2014. Am 2. und 3. Oktober holten wir das Große Gewächs Orbel mit 95 Grad Oechsle. Der Ertrag lag bei 40 hl/ha und wir waren glücklich als unsere Lieblingslage auf der Kelter war. Jedes Jahr ist dies ein persönliches Anliegen, diese Trauben gesund und bestmöglich ausgereift ins Weingut zu bringen. Die kühlen Nächte im Orbel haben viel Fäulnis abgewandt.

Andere Rieslinge in Rheinnähe haben die warmen Bedingungen nicht so gut vertragen und mussten hochselektiv abgeerntet werden. Wir waren froh, dass wir beherzt ab dem 22. September auch Rieslinge immer wieder reingebracht hatten und in den ersten Oktobertagen die Rieslinglese abgeschlossen war. Danach hing in ganz Nierstein nur mehr wenig Riesling und diese Trauben konnten allenfalls für edelsüße Weine selektioniert werden.

Blaufränkisch

Blaufränkisch im Pettenthal – ein echtes Highlight dieses Jahr: 
Reife, dicke Schalen, sehr aromatisch und absolut gesund.

Der große Abschluss der Lese 2014 war am 5. und 6. Oktober die Blaufränkischen. Im Ölberg hatten wir etwas Verluste durch die Kirschessigfliege und starken Wespenfrass, sodass wir gezwungen waren diese eine Parzelle früh zu lesen. Im Pettenthal (36 Jahre alte Reben) und im Zehnmorgen (6 Jahre alte Reben) waren die Blaufränkischen hingegen großartig. Wir waren begeistert vom Geschmack der Trauben. Sie hatten keine Fäulnis, lediglich die Fraßstellen von Wespen mussten aussortiert werden. Jahrgang für Jahrgang in dem wir nun Blaufränkisch ernten (seit 2010), merken wir, wie sehr diese Rebsorte zu unserem Standort passt. Das besondere Klima in Nierstein und die sorgfältig ausgesuchten Schieferparzellen fordern viel von den Blaufränkischen. So erbringt diese Rebsorte stets den authentischen Ausdruck der wertvollen Lagen am Roten Hang auf so wunderbare Weise.

Die intensive Arbeit wurde mit wunderbaren Trauben belohnt:
Die letzten Kisten Blaufränkisch für dieses Jahr.

Einen anspruchsvollen Jahrgang haben wir am 7. Oktober 2014 
traditionell mit der „Imbs“, der Erntedankfeier mit den Erntehelfern, abgeschlossen. Wieder einmal hat uns die Natur viel Respekt eingeflößt. Innerhalb von nur 21 Lesetagen haben wir den gesamten Betrieb gelesen; ein normaler Herbst dauert bei uns 5 bis 6 Wochen. Um in kurzer Zeit die Flächen selektiv zu lesen, haben wir auf ein großes Leseteam gesetzt. Es steckt sehr viel Arbeit in der enormen Selektion der besten Trauben, dabei rund um die Uhr einen kühlen Kopf zu bewahren, ist nicht immer einfach. Trotzdem ist und bleibt für uns der Herbst mit der Lese die schönste Zeit im Jahr.

Die „Imbs“, eine Erntedankfeier zum Abschluss einer anspruchsvollen und intensiven Ernte, dieses Jahr mit einem besonders großen Team.

Die Qualität eines Weines hängt immer wieder von den gleichen 
Dingen ab, aber auf 2014 trifft es besonders zu:

– Güte der Lagen, Wahl der Rebsorten und Alter der Rebstöcke
– Präzises und zeitgerechtes Handwerk während der Vegetation
– Kompromisslose Selektion während der Lese
– Handwerkliche Kellerarbeit ohne Manipulation
– Zeit

All diesen Dingen fühlen wir uns sehr verbunden.