Erntebericht 2010

Viel wurde nun über 2010 diskutiert und auch vorzeitig viel kritisiert. Im Folgenden schildere ich meine Erfahrung mit 2010 auf St. Antony.
Wir arbeiten nun im 4. Jahr komplett ökologisch und sind überzeugt, dass dies Riesling und Pinot Noir extrem positiv beeinflusst. Der Jahrgang 2010 ist sicherlich nicht einfach gewesen. Die kühle Witterung während der Blüte hat vor allem die Rieslinge stark verrieseln lassen.

Ein guter Sommer für die Reben folgte, nicht zu heiß, kein Sonnenbrand bei den Rieslingen, kein Trockenstress. Mit einem großen Weinbergsarbeiterteam sorgten wir im Sommer stets für gut durchlüftete Laubwände, stellten die Triebe gerade und entblätterten je nach Anlage individuell.

Der August war etwas zu feucht und dies sorgte dann im September für erste kleine Fäulnisnester. Spätestens hier war klar, Selektion und Handarbeit während der Lese würde über Erfolg oder Misserfolg des Jahrgangs entscheiden.
Mit 34 Lesern und einer Festmannschaft von 5 Leuten bliesen wir zum Angriff und fingen Ende September an die Weinberge durchzukämmen. Der Oktober vergoldete dann den Jahrgang, denn drei Wochen bestes Wetter brachte diesem Jahrgang den nötigen Reifekick.

Weissburgunder

Weißburgunder wurde Anfang Oktober hereingebracht und hatte schön gold durchgefärbte Träubchen. Momentan ist davon auszugehen, dass der 2010er Weißburgunder aufgrund der niedrigen Ertragssituation ebenso spannend wird wie der 2009er. Er liegt nun in den neuen Stückfässern und blubbert vor sich hin. Die Säurewerte sind aufgrund der Entblätterung für 2010 völlig entspannt und wir werden nach dem biologischen Säureabbau Säurewerte im gewohnten Bereich haben.

Bodenschatz Riesling

Die Rieslinglese startete Anfang Oktober. Die Trauben waren im Roten Hang in Nierstein früh schon recht lecker und aromatisch. Der Gesundheitszustand war sehr unterschiedlich, die entblätterten Weinberge wurden, wo es nötig war, vorgelesen. Die Hauptlese der Rieslinge fand zwischen dem 10. und 20. Oktober statt. Die Erträge waren niedrig und die Moste von sauber ausgelesenen Weinbergsparzellen probierten sich sehr lecker. In den einzelnen Partien im Bodenschatzbereich probieren wir Rieslinge mit Spannung und Extrakt, die Säure fügt sich gut ein.

Rotschiefer Riesling

Das Aussortieren von Botrytis war entscheidend in 2010 um Frische zu erhalten.

Riesling Rotschiefer ist in 2010 meines Erachtens eine sensationelle Mischung aus den Jahrgängen 2008 und 2009. Die Grand Cru Lagen des Roten Hanges haben generell niedrigere Säurewerte als andere Regionen und so haben wir in 2010 einen tollen Mix aus Schmelz, Konzentration, Spannung, Struktur und Frische. Die Zusammensetzung des Rotschiefers wird voraussichtlich 50% Pettenthal, 15% Nackenheimer Rothenberg, 20% Ölberg und 15% Orbel.

Es war absolut notwendig in 2010 sehr penibel zu lesen, denn ab Anfang Oktober machte sich eine sehr saubere Edelfäule breit, die konsequent ausgelesen werden musste, um Frische zu erhalten und die Alkoholwerte im Zaum zu halten. Ich erwarte in 2010 einen Rotschiefer, der die Kraft und Konzentration aus 2009 hat und die Rasse und Feinheit aus 2008.

Nierstein Orbel

Hochreife Trauben bei der Rieslinglese im Orbel am 20. Oktober 2010

Meine persönliche Lieblingslage zeigte sich lange Zeit unbeeindruckt von der Fäulnisproblematik rundherum und die Trauben blieben lange erstaunlich gesund. Als eine der letzten Weinberge überhaupt lasen wir das Große Gewächs Orbel am 20.10.2010. Die aromatischen Trauben schmeckten nach Grapefruit und Aprikose sehr mineralisch konzentriert, nicht zuletzt wegen der niedrigen Erträge, die unter 30hl/ha lagen. In der Gärung mit noch etwas Zucker ist er momentan besonders lecker.

Nierstein Ölberg

Aufgrund seiner Windoffenheit war diese Lage am meisten verrieselt und wir ernteten wirklich wenig aus unserer besten Parzelle. Kräuterwürzig, ausbalanciert, zeigt in der Gärung die typische Ölberg Tiefe die sie alle besitzen. Spannend zu beobachten, mehr vermag ich nicht zu sagen.

Nierstein Pettenthal

Die steilste Lage mit den ältesten Reben hat in 2010 sicherlich immenses Potential, denn die Säure in dieser warmen Lage bringt wirklich ein sehr spannendes Geschmacksbild. Braucht dieser Wein in anderen Jahren die intensive karge Mineralität um die niedrige Säure in ihrer Strukturgebung zu unterstützen, haben wir es mit einem Jahr zu tun, wo spät gelesen werden konnte und genügend Säure wirklich da ist. Beim probieren erinnert er mich momentan extrem an Meursault.

Roter Bodenschatz

Durch die Entblätterung hatten wir toll durchgefärbte Trauben für den Roten Bodenschatz.

Entblätterung war in 2010 bei den Roten Sorten sehr wichtig. Nur so konnten wir gut durchgefärbte Trauben ernten. Dieses Jahr besteht der Rote Bodenschatz fast ausschließlich aus Merlot, da St. Laurent komplett verhagelt war. Die Weine liegen nun in den Barriques und probieren sich lecker. Um noch mehr aus diesem Jahrgang heraus zu holen, haben wir etwas mehr Saftabzug gemacht und weniger geeignete Partien direkt abgepresst – so haben wir etwas mehr Rosé als in den vorherigen Jahren.

Pinot Noir

Kleine Trauben beim Pinot 2010

Pinot Noir 2010 ist ein spannendes Kapitel. Die drei verschiedenen Chargen von Top Pinot Noir haben wir nun im Keller liegen. Die erste etwas kleinere Partie kommt vom Niersteiner Kranzberg – eine auf Pinot Noir umveredelte, ehemalige Riesling Parzelle, mit französischer Genetik nah am Rhein auf Kalkmergelboden brachte einen ausbalancierten intensiv duftenden Pinot Noir. Unsere Anlagen am Niersteiner Paterberg mit französischen Genetiken sind konzentriert, maskulin wuchtig mit tiefer Farbe, ähnlich wie die deutschen Genetiken vom Paterberg, die etwas mehr Tannin haben. Es wird interessant wie sich die Partien entwickeln, jedenfalls wird es eine spannende Kombination.

Jahrgang 2010 viel Sortierarbeit, wenig Ertrag – tolle Qualitäten, hohes Reifepotential.

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