„Die Natur der Natur ist zweifellos weiblich. Sie wechselt ständig ihre Kleider!“ sagte einmal eine kluge Frau. So gleicht kein Jahrgang dem anderen und so ein 2015 haben selbst die alten erfahrenen Winzer noch nicht gesehen.

Trockenes Frühjahr, warmer trockener Vegetationsbeginn, heißer trockener Sommer mit Rekordtemperaturen und die Reben machten all das gut mit. Man verglich die Werte, zweifelsohne gerechtfertigt mit 2003, doch sahen die Weinberge in diesem Ausnahmejahr 2003 im August schon enorm gestresst aus mit welken Blättern und niedrigen Säurewerten in den Beeren. 2015 ist dann doch ganz anders gekommen. Die Reben haben die Trockenheit seit Jahresanfang weitgehend stabil durchgestanden; das sah man an den vitalen Blättern der Reben. Die Trauben waren enorm aromatisch und sehr gesund. Man hätte annehmen können, dass die Säurewerte in solch einem heißen Jahr niedrig ausfallen, aber dem war nicht so. Sie blieben den ganzen Herbst über stabil auf gutem Niveau, was für die Weine später sicherlich spannend wird.

Wir begannen den Herbst mit unserem Pinot Noir Paterberg am 13. September und lasen kleinbeerige Träubchen. Statt den bei uns üblichen 100 Tage nach der Blüte, waren es dann eher 95 Tage aufgrund des besonderen Sommers. Das erhielt die Frische im Pinot Noir - die Kraft der Weine kommt durch das warme Jahr und die niedrigen Erträge von selbst. Tags drauf ernteten wir unseren Kranzberg Pinot Noir, wo wir wirklich unter Druck die Trauben selektionierten, denn intensivere Niederschläge kündigten sich an.

 Der einsetzende Regen Mitte September machte es dann schon noch einmal spannend, da die auf Trockenheit eingestellten Reben eine enorme Saugspannung in ihren Wurzeln hielten und diese dann mit reichlich Wasser versorgt wurden. Die Angst vor aufplatzenden Beeren war da. Zunächst vielen die Zuckergradationen in den Trauben leicht, aber es blieb nachts relativ kühl, was die Trauben quasi wie in einem Kühlschrank konservierte.

Nach dem kleinen Pinot Noir Auftakt starteten wir am 20. September in die Hauptlese. Ungewöhnlich früh war unser Blaufränkisch Rothe Bach sehr reif. Die hohe Zuckergradation bewegte uns dazu, sie schon am 21.09. zu lesen. Es war wirklich ein toller Anblick die alten Reben mit ihren lockerbeerigen Trauben. In kleinen Kisten wurde das Jahreswerk behutsam ins Weingut transportiert, wo er dann für die Maischegärung in unseren drei Meter hohen Holzgärbottich per Schwerkraft gefüllt wurde.

Wir sind gespannt, wie sich die Kraft des warmen Jahrgangs 2015 in unserem besten Blaufränkisch ausdrückt.

Neben Weißburgunder und Rosé, die wir am 24. und 25. September ernteten, holten wir immer wieder ein paar Rieslingparzellen rein. Die Reife war da und die Erntemannschaft konnten die Trauben in Rekordtempo herunterschneiden, denn es war kaum etwas auszusortieren. Ein Schönwetterhoch setzte sich über Deutschland fest und wir hatten traumhafte Lesetage mit Sonne und strahlend blauen Himmel.

Die großen Gewächse Pettenthal (25.09.) und 10Morgen (28.09.) wurden noch im September gelesen, was für unsere Verhältnisse sehr früh ist. Im Vergleich wurden 2008 im November noch Trauben gelesen. Die analytischen Werte und der hocharomatische Beerengeschmack überzeugten uns davon, dass wir den optimalen Lesezeitpunkt erwischt hatten. Auch die danach auftretende Fäulnis sprach für die richtige Entscheidung.

Nach einigen Rotschiefer Weinbergen kamen wir dann in den Orbel, wo wir drei Tage lang in akribischer Selektionsarbeit die Trauben für das Große Gewächs extrem sauber ausgelesen haben. Wohingegen beim kühlwachsenden Hipping am 02. Oktober kaum eine faule Beere zu finden war.

Abschließend ernteten wir unsere restlichen Blaufränkisch Anlagen. Der Blaufränkisch liebte die 2015er Bedingungen. Sonne, Wärme und zur Lese hin kalte Nächte. Fäulnis war bei dieser Rebsorte kaum zu finden. So konnten wir am 04. Oktober so früh wie nie zuvor die Lese 2015 abschließen.

Wir vermuten, dass die Kraft und Wärme des Jahrgangs zusammen mit den lebendigen Säurewerten eine tolle Kombination sein werden. Die Herausforderung in 2015 war, die potentiellen Alkoholwerte nicht zu hoch steigen zu lassen. Wir haben darauf sehr geachtet und sehr auf gesundes oder fein ausselektioniertes Lesegut gesetzt. Man kann sicherlich von einem Ausnahmejahr sprechen, und wir sind sehr gespannt, was da in unseren Fässern heranwächst.

Felix Peters