Gedanken aus 2015

Eine wirklich schöne Facette am Winzerberuf ist die Abwechslung im Jahresverlauf. Man lebt mit den Jahreszeiten und mit dem Rhythmus der Natur, natürlich auch mit den Vermarktungszyklen und der Weinentwicklung im Keller. Wenn im Januar die ersten Weine des neuen Jahrgangs gefüllt werden, ist das immer sehr spannend, „wie wird der neue Jahrgang?“, „welche Nuancen zeigt der Wein, wenn er in der Flasche ist?“. Unwichtige Kleinigkeiten würde man glauben, aber es sind die Einzelheiten, die mit den zahlreichen Eindrücken aus Vegetation, Lese und Gärung zu einer wertvollen Erfahrung für den Winzer aufaddiert werden. Einmal im Jahr hat man mit der Ernte eine größere Einflussmöglichkeit, da sind Erfahrungen enorm wertvoll. Nach der Ernte kann man immer nur in kleinen Schritten fleißig an Qualität und Stil der Weine arbeiten. Wir sind stolz auf unseren Erfahrungsschatz, der mittlerweile nun über ein Jahrzehnt angewachsen und sehr profund ist, da wir uns intensiv und ausschließlich auf Nierstein konzentrieren.

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Blick auf Nierstein und den Rhein aus dem Roten Hang heraus

 

Eine sehr spannende Angelegenheit ist der Blick in die Vergangenheit durch das öffnen älterer Flaschen. In diesem Jahr haben wir mehrere Vertikalverkostungen unseres Nierstein Orbel Riesling für Gastronomen, Journalisten und Händler organisiert. Aus unserer Schatzkammer wurden trockene Rieslinge bis zurück aus 1986 geöffnet, verkostet und diskutiert. So einmal „meinen alten Freund“ Orbel kennenzulernen war ein großes Vergnügen. Man konnte die hohe Haltbarkeit des Nierstein Orbel eindrücklich erfahren, aber auch die faszinierende Veränderung der Weine mit der Reife. Gerade in 2015 haben viele unserer Kunden diese geschmackliche Steigerung nach einiger Zeit auch beim 13er Orbel Riesling erlebt, anfänglich wurde diesem Wein wenig Aufmerksamkeit geschenkt bis sich der Wein dann durch eine stürmische Nachfrage ausverkaufte.

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Ende des Jahres Zeit zum reflektieren

 

Ein großer Schritt im Weingut war dieses Jahr die Abfüllung unseres ersten Rothe Bach Blaufränkisch 2013 im März. Für uns ist es der beste Blaufränkisch bisher und die vielfältigen Rückmeldungen seitens der Kunden haben uns das zu unserer Freude deutlich bestätigt. Die „Rothe Bach“ Parzelle im Herzen des Pettenthal liefert von Jahr zu Jahr konzentriertere, facettenreichere Weine. Da war es unser Wunsch, die Herkunft „Rothe Bach“ (der uralte Parzellenname) dieses besonderen Weines auf das Etikett zu schreiben.
Im aktuellen Falstaff Weinguide 2016 wurde nun unser 2013 Blaufränkisch Rothe Bach mit 96 Punkten geadelt. Die höchste Punktzahl für einen trockenen Wein in ganz Deutschland, einmalig vergeben in diesem Jahr!
Der Erklärungsbedarf für unsere Blaufränkisch ist zweifelsohne da. Ist es doch neu und nicht üblich Blaufränkisch in Rheinhessen. Doch die Augen leuchten, wenn die Weine verkostet und getrunken werden und die Anhängerschaft für unsere Blaufränkisch wird immer größer. Das bestätigt uns ungemein unsere ureigene Vorstellung eines großen Roten Nierstein Wein mit Akribie und Mut zu verwirklichen. Ganz nach dem Motto: Tradition ist Innovation, die sich etabliert hat.

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rotes Gold, unser Blaufränkisch

 

Dann war da dieses außergewöhnliche Jahr 2015. Sie kennen unsere reduzierte Herangehensweise an Superlativen in der eigenen Beurteilung, aber wir dürfen hier von einem großen Jahr sprechen. Wir haben ab dem Austrieb um unsere Reben gebangt, aufgrund der anhaltenden Trockenheit und der enormen Temperaturen. Unglaubliche 40 Tage über 30 Grad während der Vegetationsperiode, Statistiken wie in 2003, jedoch im September Weinberge saftig grün wie nach drei Tage Landregen. Die Natur hat da etwas sehr Besonderes gestaltet. Die Jungweine sind nicht nur dicht und aromatisch, sie haben auch normale Alkoholgradationen und genügend strukturierende Säure! Eine sehr spannende und seltene Kombination. Rot wie Weiß dürfen wir uns auf einen großartigen Jahrgang freuen.

Trockenen Fusses durch das Flussbett des Rheins: Hinter den Bäumen am regulären Ufer erheben sich die Weinberge am Roten Hang.

Wohl das eindrücklichste Bild in 2015, das trockene Flussbett und die saftig grünen Weinberge im Hintergrund

 

Natürlich sind wir auch Stolz auf die mediale Berichterstattung der wichtigsten Weinführer. Wir führen dies im Blog noch einmal getrennt auf.
Der Gault Millau gibt uns die besten Noten seit dem Bestehen des Weinguides. Gerade die Rieslinge werden sehr gut beurteilt und wir tasten uns auf der deutschen Bühne auch immer weiter vor. Jedoch belässt man uns vorerst trotz 6 Bewertungen jenseits der 90 Punkte auf drei roten Trauben, während Vier-Trauben-Betriebe mit ein bis zwei 90er Bewertungen wegkommen. Ich denke man hat uns eindeutig auf dem Zettel. Wir haben uns in den letzten Jahren eindeutig gesteigert und sind nach oben geklettert. Ein kleines Stück sind wir bei Weinführer „Eichelmann“ nach oben gerutscht, sie attestieren uns eine brillante Kollektion. Euphorischer ist der Falstaff, der uns mit beeindruckenden Punktzahlen für unsere Weine geehrt hat.
Insgesamt genießen wir die positive Beurteilung und die Aufmerksamkeit seitens der Presse sehr. Das ist schon wirklich wichtig, jedoch erachten wir glückliche Kunden, eine konsequente Umsetzung unserer Ideen und eine stetige Weiterentwicklung der Weinqualität als das höchste Gut!

Kommentare

  1. Kurt Wildhagen

    Sehr geehrter Herr Peters,
    gerne ergreife ich diese Gelegenheit für eine Antwort.
    Als alter ehemaliger MANler – davon viele Jahre im Vorstand der ebenfalls ehemaligen MAN Roland Druckmaschinen AG – fühle ich mich schon seit Jahrzehnten mit St. Antony verbunden.
    In der jüngeren Zeit hat diese Verbundenheit durch die immer besseren Weine einen ordentlichen Schub bekommen! Ich freue mich mit Ihnen, dass die Weine von St. Antony in der Fachwelt so einen hervorragenden Anklang finden. Herzlichen Glückwunsch an Ihr Haus!
    Ich darf Ihnen verraten, dass wir mit Riesling Rotschiefer und Orbel auch unseren französischen
    Schwiegersohn und seine Familie – ausgewiesene Weinkenner – begeistern konnten.

    Für Ihre Weihnachtswünsche zusammen mit der Flasche Madame Brut danke ich Ihnen herzlich.
    Für Sie und Ihr Team wünsche ich ebenfalls gesegnete Weihnachtstage und ein gelingendes 2016 im Weinberg, im Keller und im persönlichen Wohlergehen.
    Mit besten Grüßen
    Kurt Wildhagen

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