Heyl zu Herrnsheim: Eine spannende, einzigartige Stilistik

Der Tradition verpflichtet haben die Lagenweine von Heyl zu Herrnsheim ihre ganz eigene faszinierende Stilistik. Sie zeichnen sich durch moderaten Alkohol, Frische und Balance aus und werden durch das spannende Spiel zwischen dezenter Rieslingfruchtsüße und reifer, prickelnder Säure enorm aufgeladen. Das ist weltweit einzigartig! Doch wie entstand dieser charakteristische Stil?

 

Heyl zu Herrnsheim Logo

 

Heyl zu Herrnsheim hat eine lange Geschichte: der Mönch auf dem Etikett verweist auch heute noch auf die klösterlichen Wurzeln, die bis ins Jahr 1561 zurückreichen. Damals waren Mönche aus Worms auf der Suche nach den besten Lagen für ihre Weine und erwarben in Nierstein neue Weinberge von herausragender Qualität. Hier wurde immer schon Riesling angebaut. Lange Zeit im Mathildenhof angesiedelt, gelangte das Weingut im 18. Jahrhundert in den Besitz der Familie Lauteren, bis es schliesslich im Jahr 1909 von der Familie von Heyl übernommen wurde.

Kurz vor einer der schwierigsten Phasen des deutschen Weinbaus übernahm Peter von Weymarn im Jahr 1969 die Verantwortung für Heyl zu Herrnsheim. Er trat durch Heirat in die lange Familientradition der Heyl zu Herrnsheims ein. Es war die Zeit in denen der deutsche Wein noch boomte. Man hatte diese Position Ende des 19. Jahrhunderts durch einzigartige Rieslinge erlangt, die eine wundervolle Balance aufwiesen. Weltweit hatte jedes große Hotel, jedes noble Restaurant damals deutsche Spitzenweine auf der Weinkarte. Rieslinge von Rhein, Mosel und Saar standen in dieser Zeit hoch im Kurs: Eine dezente Restsüße im halbtrockenen Bereich in Kombination mit einer rassigen Säure, wenig Alkohol und viel Mineralität machte die Weine so verführerisch. Diese Rezeptur funktioniert sehr gut auf Schieferböden, auf denen der Riesling mit einer kleinen Restsüße eine wundervolle Frucht entwickelt, was die Weine sehr begehrlich macht. Peter von Weymarn besann sich auf diesen Stil, der seine Interpretation des Nierstein Rieslings deutlich prägte.

In der Nachkriegszeit der 50er und 60er wurde der deutsche Wein durch eine wesentliche technische Innovation in der Weinbereitung in eine Richtung gedrängt, die den ursprünglichen Riesling Stil veränderten. Die Seitz Filterwerke entwickelten 1945 einen Filter, mit dem man Wein steril abfüllen konnte. Wurde früher zwei bis drei Winter gewartet, dass sich der Wein durch mehrere Gärstadien im Temperaturwechsel der Jahreszeiten final stabilisierte, so konnte man jetzt schon wenige Monate nach der Ernte die Weine mit verbleibendem Traubenzucker durch eine sterile Füllung auf die Flasche bringen und damit spätere Nachgärungen in der Flasche unterbinden. Man erlag dem Verlangen nach Süße in den Kriegsjahren und bediente den Durst nach immer süßer werdenden Weinen: Die Zuckergehalte in den deutschen Rieslingen stiegen. Hatte man mit halbtrockenen Weinen den Markt erobert, baute man nun mit süßen Weinen den Absatz aus. Der süße deutsche Nachkriegswein war ein Teil des Wirtschaftswunders in den 60er und 70er Jahren.

Dank Flächenerweiterungen, Neuzüchtungen und fortschrittlicher Düngetechnologie wuchs die deutsche Weinproduktion beachtlich. Die Katastrophe war vorprogrammiert, als begonnen wurde, Zusätze auszuprobieren, um die stark wachsenden Weinmengen noch markttauglich abzufüllen. 1985 wurden bei einer Steuerprüfung eines erfolgreichen Weinbaubetriebs große Mengen Frostschutzmittel in den Bilanzen auffällig. Der unerlaubte Zusatz von Glykol machte die Weine gehaltvoller, das nutzen damals scheinbar viele Winzer — ein Tiefpunkt der deutschen Weinwirtschaft. Der Glykolskandal nahm seinen Lauf, überall wurden deutsche Weine ausgelistet und auch die Deutschen selbst verlernten ihren eigenen Wein zu lieben.

In dieser wirklich schwierigen Zeit war die Blütezeit von Heyl zu Herrnsheim. Peter von Weymarn war unbeirrt in seiner Vision, Spitzenweine zu erzeugen. Zwei grundlegende Errungenschaften in seinem Weinmachen verdanken wir ihm heute. Zum einen die Idee eines Naturweines ohne Zusätze, entstanden in einer Zeit, in der neben des verbotenen Glykols auch noch ganz andere Dinge legal in den Wein gegeben werden konnte. Er sagte sich „Wenn ich irgendetwas zu meinem Wein gebe, was ich selbst nicht trinken möchte, dann kann das nicht gut sein.“ In diesem Zusammenhang entstand auch die Idee des ökologischen Weinbaus, denn auch hier bot die Industrie zahlreiche Mittel für Keller und Weinberg an, die final in kleinsten Rückstandsmengen im Wein landeten. So begann Peter von Weymarn konsequenterweise 1977, seine Flächen ökologisch zu bewirtschaften.

 

Rieslinge von Peter von Weymarn

Von links nach rechts: 1982er Niersteiner Kranzberg Riesling, 1971er Niersteiner Rehbach Riesling Auslese, 1971er Niersteiner Ölberg Riesling Spätlese, 1986 Niersteiner Rehbach

 

Die zweite Errungenschaft war der Rieslingstil von Peter von Weymarn. Verfügen die Mosel Spätlesen von Anfang der 70er bis heute mit 50 bis 80 g/l Restzucker, so waren die wichtigsten Lagenweine von Peter von Weymarn mit 12 bis 20 g/l Restzucker eher im halbtrockenen Bereich und schmeckten annähernd trocken wie vor der Jahrhundertwende. Wenn man seine 1971er, 1982er oder 1985er heute verkostet, merkt man welch wunderbare Balance und Reifefähigkeit durch diese Herangehensweise entstanden sind. Diese Stilistik passt hervorragend zu den Niersteiner Lagen, während die Moselweine durch ihre filigrane, säurereiche Art auch bei höheren Restzuckerwerten wundervoll schmecken.

 

2014er Brudersberg Riesling und Pettenthal Riesling, 2013er Hipping Riesling und Ölberg Riesling von Heyl zu Herrnsheim

2014er Brudersberg Riesling und Pettenthal Riesling, 2013er Hipping Riesling und Ölberg Riesling von Heyl zu Herrnsheim

Mit dem Jahrgang 2010 haben wir diesen einmaligen Heyl zu Herrnsheim Stil bei den Lagenweinen wieder aufgegriffen und verfolgen dies Jahr für Jahr mit zunehmendem Erfolg. Die Weine zeichnen sich durch moderaten Alkohol, Frische und Balance aus und werden durch das spannende Spiel zwischen dezenter Rieslingfruchtsüße und reifer, prickelnden Säure enorm aufgeladen. Das ist weltweit einzigartig!

Kommentare

  1. Thomas Harzenmoser-Foresti

    Seltsam, wo ist die Linie Heyl zu Herrnsheim geblieben? Im Onlineshop jedenfalls ist sie nicht mehr vertreten … Auch scheint deren Homepage schon seit längerem nicht mehr aktualisiert worden zu sein. Wäre enorm schade um den wirklich herrlichen Wein – und vor allem um das wunderschöne Etikett, denn bekanntlich trinkt ja auch das Auge mit …

    • St. Antony

      Heyl zu Herrnsheim ist ein eigenständiger Charakter, ein eigenständiges Gut mit eigenen Weinbergen. Die Weine werden nicht alle über den Onlineshop vertrieben sondern auch bei Partnern. So kommt es auch, dass einige Weine ausverkauft bzw. in ihrer Menge ausreserviert sind. In Kürze wird der 2015er Brudersberg auch wieder in den Shop kommen, sodass unser altes traditionelles Etikett dann auch wieder im Onlineshop zu sehen sein wird.

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