2014 Nierstein Pettenthal

Im Herbst 2010 nahm alles seinen Anfang. In einer Nacht- und Nebelaktion fuhr ich während der Lese für einen Tag ins Burgund und besorgte mir besondere Weißweinfässer, die man in dieser Qualität Deutschlandweit nicht kaufen kann. Damals kaufte ich gebrauchte Fässer, in denen die Domaine Etienne Sauzet vorher spannungsgeladenen Chardonnay aus Puligny-Montrachet vergärte. Tags darauf wurden die ersten Partien Pettenthal 2010 gelesen und die duftigen Moste in diese 228l Fässer aus bester französischer Eiche gefüllt. Die besten Fässer aus dem Burgund begleiten die Weißweine nur, sie stabilisieren und bereichern die Weine statt sie mit Holzgeschmack zu schminken; das gefiel mir. Das besondere Holzfass als subtile Umrahmung und Rückgrat für den facettenreichen Pettenthal Riesling. Natürlich braucht man bei so etwas Zeit, den richtigen Umgang für seinen eigenen Wein zu finden. Aber der 2010er Pettenthal ist heute ein wundervoller frischer Wein, der das Holz komplett verschlungen hat und nun mit straffer Aromenvielfalt sein Mineralikfeuerwerk auf der Zunge zündet.

Ich hatte in den Jahrgängen 2006 bis 2009 das Pettenthal Große Gewächs im Edelstahltank ausgebaut, eine gängige Praxis in Deutschland. Man kann sagen, damit macht man nichts falsch. Doch das Pettenthal, so empfand ich, verlangte nach mehr, vielmehr als ein neutrales Gärbehältnis. Das Pettenthal fordert den Winzer, es fordert Charakter, ein klare Vorstellung. An der Mosel gibt es ein Sprichwort: „Die Rebe liebt die Sonne, aber mehr noch den Schatten ihres Herren.“ Das Pettenthal fragt nach einer Formung ohne Manipulation. Es findet eine schweigende Begleitung, eine intensive Überwachung der Prozesse statt, und an den richtigen Stellen muss man das Zepter in die Hand nehmen.

Meiner Meinung nach haben wir 2012 die richtige Balance in den Pettenthal Weinen gefunden. Der Riesling, die Lage und die Prägung spielen im Glas mit noblen, subtilen Holznoten, die in ein paar Jahren verschwunden sind aber dem Wein Alterungsfähigkeit, Rückgrat und eine gewisse Bereicherung mit auf den Weg gegeben haben.

Mit 2014 kam auch die Presse dahinter, dass unsere Vorgehensweise nicht unspannend ist. War es anfangs eine gewisse Überforderung der Verkoster, den Wein einzuschätzen, so gesellt sich zunehmend ein Bewerterpünktchen neben dem anderen. In 2014 nun 92 Parkerpunkte, 94 Punkte von Falstaff, 92 Punkte von Gault Millau und 91 Punkte von Eichelmann.
„Das ist der Beste, den du gemacht hast“ sagte mir ein nicht unbekannter VDP Kollege zum 14er Pettenthal in der Jungweinprobe der Großen Gewächse im Frühjahr 2015. Bei den Jahrgangsimpressionen am 01. Mai bei uns im Weingut bestätigten viele Kunden diese Aussage und wurden zum Fan dieses jungen Weines.

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