Der Jahrgang 2017 – die ersten Weine und meine Gedanken dazu

Viele Kunden fragen zurzeit, wie werden sie, die 2017er? Ich habe meine Eindrücke über den Jahrgang und die Weine einmal niedergeschrieben:

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Burgunder

Der 17er Weißburgunder zeigt sich im Vergleich zum 2016er mit beeriger Frucht und nussig; die feine Mineralität und die kleine fruchtige Restsüße erzeugen ein feines Spiel. Beim Weißburgunder achten wir darauf, dass die Jahrgangsunterschiede nicht sehr groß ausfallen, eine Eigenschaft, die die Rebsorte selbst schon unterstützt.

Ich habe große Freude daran, einen feinen Chardonnay im Gutsweinsegment zu machen, der komplett in kleinen Holzfässern ausgebaut ist, der Großteil sogar in burgundischen 228l Pièce. Durch diese Praxis ist unser Chardonnay einem Burgunder nicht unähnlich. Die speziellen Holzfässer, die wir benutzen, geben kaum Holzgeschmack ab, vielmehr wird dadurch eine Zitrusfrucht hervorgestellt, die mit den Rebsorten typischen Aromen von Ananas und Melone fein verwoben sind. Am Gaumen ist er rund und konzentriert, aber nicht fett. Der Jahrgang 2017 brachte mit seinen niedrigen pH-Werten sehr gute Voraussetzungen für meine Chardonnay-Idee.

Im letzten Jahr haben wir erstmalig einen Blanc de Noir erzeugt. Er wurde so gut angenommen, dass es auch einen aus dem Jahrgang 2017 geben wird. Pinot Noir Trauben wurden schonend gepresst, so wurde aus roten Trauben heller Most gewonnen als Grundlage für diesen Wein. Cremig und weich ist er am Gaumen, nussig – ähnlich einem Grauburgunder, trockener als der Weißburgunder.

Der 2017er Rosé hat eine brillante leuchtende Rosé-Farbe. In der Nase ist er verspielt mit Aromen von Flieder, Erdbeeren, Himbeeren und Wiesenkräutern.  Der Jahrgang 2017 erbrachte einem leichten, animierenden Rosé, der enorm viel Trinkspaß bereitet.

Ein erfrischendes Sommervergnügen!

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Riesling

In einer jüngst durchgeführten Jahrgangsvertikalen unserer Rieslinge Großes Gewächs zeigten sich die Jahrgänge mit etwas ausgeprägter Säure 2010, 2013, 2015 in beeindruckender Form. Sie entwickeln einen großen Spannungsbogen, der Mineralität und Frucht vibrierend zusammenhält. Wenn ich unsere Jungweine aus 2017 probiere, erinnern sie mich an die genannten Jahrgänge.

2017 ist beim Riesling sehr elegant und puristisch. Lineare, direkte Weine mit Knackigkeit und straffem Spiel. Der Bodenschatz hat einen frischen, kühlen und animierenden Charakter.

Unser Rotschiefer ist in 2017 auch wieder etwas zugänglicher und runder, milde Säure mit feiner Cremigkeit. Man merkt seine wertvolle Herkunft, die Einzigartigkeit der Steillagen in Nierstein und die alten Reben. Ähnlich wie in 2016 wurde 50% des Rotschiefers in 100 Jahre alten Doppelstückfässern (2650l) vergoren.

Neu im Jahrgang 2017 ist unser Nierstein Riesling. Im VDP Rheinhessen spielt der Ortswein von Riesling und Pinot Noir eine besondere Rolle und wir haben uns im Verband zum Ziel gesetzt dieser Stufe viel Aufmerksamkeit zu widmen. Die Verbandsregularien wurden für den VDP.Ortswein angezogen, so wurde dafür eine digitale Lagenkartierung angefertigt, die die Herkunft unserer Großen Gewächse und Ortsweine parzellengenau abbildet. Niedrige Erträge, wertvolle Herkunft und VDP interne Qualitätskontrollen sollen den Ortswein enger an die Großen Gewächse rücken lassen. Wir haben in 2017 einen puristischen, wilden Nierstein Riesling erzeugt, der sich stilistisch deutlich weiterentwickelt hat. Er ist packend und straff, kühl und kompromisslos. Vielleicht kann man ihn mit dem Charakter des 2016er Hipping GG vergleichen. Für mich ist diese Weinkategorie der Ortsweine ein willkommenes Spielfeld, um neue Dinge auszuprobieren, die vielleicht später den Großen Gewächse zu Gute kommen. Probieren Sie es aus!

Der Rotwein-Jahrgang 2016

Was habe ich mir Gedanken gemacht vor dem Herbst 2016 mit den tollen Resultaten von 2015 im Rücken. Es waren einige Sorgen! Die Natur belehrt einem eines Besseren. Waren die Rieslinge 2016 vielversprechend bis teilweise herausragend, so ist im roten Bereich sicherlich eine Steigerung zu 2015 drin – also wirklich große Weine! Natürlich müssen nach etwas mehr Zeit die Dinge betrachtet werden, aber über 2016 Rot bin ich wirklich begeistert! Es verbindet absolute Reife und Kraft mit Finesse und Eleganz. Beim Blaufränkisch ist die Sache im Vergleich zu 2015 noch klarer als beim Pinot Noir. Die enorme Fruchtausprägung in 2016 bescherte uns nicht da gewesene Erlebnisse. AM TURM ist wirklich fein, ALTE REBEN wird viele Fans finden, LANGE BERG und ROTHE BACH empfinde ich persönlich als die besten Blaufränkisch, die wir bisher gemacht haben!

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2016 Blaufränkisch AM TURM

Wir haben den Blaufränkisch am Turm vornehmlich aus dem Niersteiner Ölberg selektioniert, wo sehr kirschfruchtige und zugänglich charmante Blaufränkisch wachsen. So ist dieser Wein direkt zu genießen ohne lange Reifezeit in der Flasche.

Die Trauben wurden vollständig entrappt, leicht angequetscht und anschließend in geschlossenen Edelstahltanks auf der Maische vergoren. Nach ca. 21-23 Tagen wurde die Maische abgepresst und der junge Wein in 228l Fässer aus dem Burgund gelegt, ca. 1/3 davon sind neue Fässer. Dort reifte er die ersten 12 Monate bevor er weitere 6 Monate in Stückfässern (1.300l) lagerte. Der Wein ist unfiltriert abgefüllt.

In der Nase intensive Kirschfrucht verwoben mit Gewürzen, Nelken, ein Hauch über dem Grill geröstetes Baguette, am Gaumen sehr rund mit saftiger Kirschfrucht, reich an Extrakt, zeigt sich konzentrierter als 2015 mit animierendem Abgang.

2016 Blaufränkisch ALTE REBEN

Der ALTE REBEN ist der kleine Bruder vom Flagschiff Rothe Bach. Er stammt zu 100% aus dem Pettenthal und ist von umveredelten alten Reben –  gepflanzt zwischen 1978 und 1982.

In kleinen Kisten wurden die Trauben für den Blaufränkisch Alte Reben penibel aussortiert. Die Lese erfolgt eher spät im Herbst, in 2016 war dies um den 12./13. Oktober. Die Trauben wurden vollständig entrappt und in offenen Holzgärständern vergoren. Nach ca. 14-15 Tagen wurde die Maische gepresst und in burgundische 228l Fässer gelegt, zu 50% neu, 50% Zweitbelegung. Nach 18 Monaten Ausbau in diesen Fässern wurde der Wein unfiltriert abgefüllt.

Im Duft dunkle Früchte, vor allem Brombeer, subtiler Duft nach Jod und Eisen, noble Holznuancen, am Gaumen sehr konzentriert mit tollem Tiefgang. Man spürt die Kraft der alten Reben, die Gerbstoffe sind reif und fassen den Wein, geben ihm ein Rückgrat. Der Abgang ist lang und lebendig, die Frucht ist wunderbar seidig im Nachhall.

2016 Blaufränkisch LANGE BERG

Der Lange Berg ist der Blaufränkisch im Pinot Kleid. Er bedient die Typizität eines französischen Burgunders aus warmen Jahren, in der die Wärme auch ein wenig an die nördliche Rhone erinnert. Am Gaumen bleibt er aber fein mit Haftung und Fruchtfülle.

In kleinen Erntekisten wurden die Trauben für den Blaufränkisch Lange Berg ausgelesen. Die Ernte fand in 2016 am 11.10. statt. Aus zwei steilen Parzellen in der Lage Ölberg (Auflangen Teil) kommen die Trauben für diesen Wein. Im offenen Holzgärbottich wurden die leicht angequetschten und entrappten Trauben vergoren. 12 Tage war der Wein lediglich auf der Maische um Frische zu erhalten. Danach wurde er abgepresst und für 18 Monate in 228l Fässern aus dem Burgund ausgebaut (ca. 1/3 davon neu).

Die Nase ist beeindruckend und emporströmend; Kirsche und Zedernholz verbinden sich, der Duft ist frisch, klar und durch seine süßen Fruchtanteile sehr verführerisch. Am Gaumen wirkt er rund mit Kraft. Er bleibt seidig elegant bei aller Konzentration, saftige Beerenaromen entfalten sich auf der Zunge; das Tannin ist sehr reif und glatt, ein transparenter Wein mit mineralischen Anklängen und tollem Nachhall.

 2016 Blaufränkisch ROTHE BACH

Rothe Bach ist unser Flagschiff. Der 15er wurde nach dem 13er im Fallstaff mit 96 Punkten ausgezeichnet und zählt damit zu den besten deutschen Rotweinen. Er ist benannt nach einer Siedlung im Kernstück des Pettenthals die im 14. Jahrhundert nach Christus erstmalig urkundlich erwähnt war und sicherlich bereits im frühen Mittelalter endstanden ist. In „Rodbach“ oder „Rothebach“ (Schreibweise je nach Überlieferung) stand ein Kloster für die Rittertöchter, die dort bis zur Verheiratung in Mitten von Weinbergen direkt am Rhein gelebt haben. Im Niersteiner Seelenbuch wurde zwischen dem 14. Und 15. Jahrhundert notiert, dass ein besonderer Wein dort angebaut wurde, der „vini franconici“. Als ich genau da 2010 die Rieslingreben mit wertvollen alten Blaufränkisch Edelreißern grünveredelte, wusste ich von der ähnlichen Idee die ca. 600 Jahre vorher umgesetzt wurde noch nichts.

Das Pettenthal durch Blaufränkisch interpretiert ist extrem spannend. Selten duften Rotweine nach Jod, Eisen oder Austernschale. Es ist etwas Erhabenes, Mystisches was dort aus dem Glas strömt.

Am 13. Oktober 2016 wurde unser Rothe Bach in kleine Kisten gelesen – knackige Schalen, sehr gesunde reife aromatische Trauben. Leicht angequetscht und komplett entrappt wurden die Trauben in einem offenen Holzgärbottich vergoren. Nach 15 Tagen wurde die Maische gepresst und der junge Wein in gebrauchten 228 l Fässern aus Burgund für 12 Monate ausgebaut. Anschließend wurde der Wein für weitere 6 Monate ins Stückfass gelegt und dann unfiltriert gefüllt.

In der Nase Atlantikluft, Austernschale, Jod, Eisen, dunkle reife Früchte, viel Brombeere, Maulbeere, am Gaumen komplex mit Konzentration und Finesse: der Wein ist mineralisch und transparent und trotz intensiver Frucht, Kraft und Wucht wirkt er fein und balanciert. Der Wein hält sehr lange am Gaumen an und hinterlässt reife Brombeernoten im Nachhall.

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