Warum Blaufränkisch?

In ein paar wenigen Parzellen am steinigen Roten Hang ist es für Riesling zu heiß geworden. Dort haben wir 2008 begonnen Blaufränkisch zu pflanzen. Eine rote Sorte, die wie Riesling ihre Herkunft ehrlich zeigt. So hatte alles begonnen.

Trauben Blaufränkisch

Es sind Weine entstanden, die links und rechts von Nierstein nicht möglich sind. Das Gesamte war nie ein Versuch oder ein Projekt, sondern immer der Wille einen großen, ausdruckstarken und authentischen Rotwein zu erzeugen; dies verfolgen wir weiter.

Überrascht waren wir aber, wie schnell diese Rotweine angenommen wurden, sei es seitens der Weingenießer oder auch der Gastronomie und der Presse. Es wurden Parallelen in unseren Blaufränkisch Weinen zu anderen großen Weinen der Welt gesehen. Etwa Syrah Weine von der nördlichen Rhone (St. Joseph oder Hermitage) mit ihren kühlen würzigen Anklängen zeigen eine seelische Verwandtschaft zu unseren Blaufränkisch. Oder die großen Pinot Noirs aus Burgund mit ihrem mineralischen Kern und Balance. Manch andere vergleichen unsere Blaufränkisch mit Weinen aus dem Piemont oder alten traditionellen Bordeaux aufgrund ihrer Tanninstruktur. Alles interessante Ansichten, aber unsere Weine sind vor allem eines: eigenständig. Sie mögen sie vergleichen, jedoch möchten wir keinen großen Namen nacheifern, sondern unsere ureigene Idee verfolgen.

Jedoch werden wir immer gefragt, warum Blaufränkisch?
Nun, es war eine Idee, ein Gefühl und eine Hingabe zu einer noblen roten Rebsorte. Eine sehr alte Rebsorte. Man hätte das x-tausendste Cabernet Merlot Cuvée kreieren können, diese Rebsorten werden in diesen unseren heißen Parzellen ebenso reif, wie in den zahlreichen Ländern woher man diese Profilweine kennt. Aber uns war wichtig etwas Authentisches, Eigenes zu machen. Ein großer roter Nierstein Wein.

Die österreichischen Top Blaufränkisch sind sicherlich eine Inspiration gewesen, da dort so mancher großartiger Blaufränkisch auf Schiefer wächst und diese Herkunft auch im Wein hervorgeht. Auch die Unterschiedlichkeit der guten Blaufränkischen zeigte uns, unser besonderer Boden und wir können dem roten Nierstein Wein eigene Prägung verleihen, die letztendlich unseren Wein unaustauschbar macht.

Daher war uns auch klar, dass wir die bestmöglichen Genetiken aus dem Ursprungsgebiet dieser Rebsorte brauchen. Zum einen gingen wir ins Südburgenland, das frühere Ungarn, wo der Blaufränkisch seit Jahrhunderten heimisch ist. In der kleinen wertvollen Parzelle Reihburg von Uwe Schiefer am Eisenberg schnitten wir die Edelreißer für unsere Rebverdelungen. Und dann kamen wir auf das Hochplateau von Horitschon im Mittelburgenland. Die Lage Dürrau vom Weingut Weninger ist ein verwunschener Ort, fernab jeden Trubels. Etliche großartige uralte Blaufränkisch Anlagen stehen dort, mit großartiger Genetik Vielfalt, große Populationen von Blaufränkisch Spielarten. Mal kleine Trauben, mal große, mal dicke, mal dünne Trauben, einfach Vielfalt! Das was in Deutschland allzu häufig der wirtschaftlichen Rationalisierung zum Opfer gefallen ist.

blaufrankisch02

Doch was reizt uns im Wein?
Die Aromatik hat so viele Facetten! Pfeffer finden wir großartig, häufig ist es weißer Pfeffer. Wir glauben, dass dies typisch für unser Terroir ist. Ebenso die jodartige Eisennote im Duft, die sich mit zunehmender Reife vor allem in den Pettenthal Blaufränkischen entwickelt.

Dann begeistert uns die Kräuteraromatik, dunkle Früchte, Brombeeren, Grafit, aber auch das Aroma praller schwarzer reifer Kirschen. Unter allem schwelgt eine fein verwobene Mineralität, die dem Wein Kühle und Frische verleiht.

Blaufränkisch besitzt auch Säure, was die dichten Rotweine vom Roten Schiefer aufbricht und spannend strukturiert. Der Rote Schiefer lässt den Blaufränkisch singen, er verleiht ihm die intensive Kirschfrucht am Gaumen, Konzentration und Seidigkeit – ein wundervolles Mundgefühl.

Das Tannin bei Blaufränkisch kann hart und auch mal rustikal sein. In Nierstein stehen aber unsere Anlagen nah am Rhein und erfahren durch die nächtliche Wärme auf dem roten Schiefer eine komplette Ausreifung dieser präsenten Tannine, was die Tannine in den Weinen wunderbar integriert.

All diese Nuancen sind umso aber spannender, wenn sie sich durch eine Entwicklungsphase in der Flasche zu einer großartigen Komposition zusammenfinden. Reifen können unsere Blaufränkisch und profitieren davon immens. Wir freuen uns schon unsere erste Blaufränkisch Reserve aus 2011 irgendwann einmal nach 10 Jahren Flaschenreife zu probieren und sind gespannt wir ein Flitzebogen was sich da so alles entwickelt hat!

Kommentare

  1. Jürgen Mittenentzwei

    Ich vermisse Ihren ausgezeichneten Riesling Bodenschatz.

Jetzt kommentieren

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.