Pinot Noir – heiss geliebt und missverstanden

Es gibt keine andere Rebsorte, die emotionaler behandelt wird als Pinot Noir. Es wird so viel Hoffnung in diese Rebsorte reingelegt, die hedonistische Glücksmomente beim Trinken verursachen kann, jedoch mindestens dreimal so viele Enttäuschungen heraufbeschwört. Warum ist das eigentlich so?

Alle roten Weinreben haben 9 verschiedene rote Pigmentstoffe (sogenannte Anthocyane) in der Traubenschale, außer Pinot Noir und Pinot Meunier, die haben lediglich 5 verschiedene. Also hatte die Natur nie vor, aus Pinot Noir einen schweren tiefdunklen Rotwein entstehen zu lassen. Die Bestimmung von gutem Pinot Noir ist ein eleganter finessenreicher Wein oder wie meine sehr geschätzte Kollegin und gefühlvolle Weinmacherin Carolin Diel es treffend ausdrückte: „Pinot Noir besticht durch seine Frische, die unglaublich animierend ist“.

In Deutschland setzte vor Jahren ein toller Weinpatriotismus ein; die Liebe zum heimischen Weißwein wächst und wächst. Leider lässt das Vertrauen der breiten Masse in den heimischen Rotwein zu wünschen übrig, weil der Pinot Noir falsch verstanden wird. Der Pinot Noir aka Spätburgunder wird von den Medien als der deutsche Rotwein forciert, und der soll dann gleich das Verlangen nach schwerem konzentriertem Rotwein stillen, eben der rote Weintypus, den viele suchen. Das schafft der Pinot Noir nicht; das soll er auch gar nicht schaffen.

 

Pinot Noir

Pinot Noir Rotweine sind von Natur aus nicht tiefdunkel, konzentriert und dick.

 

Pinot Noir ist sensibel und fein; er kann Frische und Delikatesse in faszinierenden Nuancen aufbauen. Er ist im besten Falle rein und klar in der Frucht, bestechend verführerisch mit seiner subtilen Süße, die verwoben ziseliert auftritt. Die Süße ist zurückhaltend und entstammt aus der nicht zu reifen Frucht des Pinot Noirs und auf keinem Fall aus Restzucker, die den Wein auch viel zu platt und klebrig machen würde.

Top Pinot Noirs gibt es nun in tausenden Variationen und Spielarten, geprägt von verschiedenen Philosophien ihrer Weinmacher. Die besten Pinots kommen aus einem kühleren Klima und entstammen einem spannenden Boden. Kurzum Deutschland hat ein Riesenpotential und es gibt tolle Pinots hier.

In der weiten Weinwelt wird eher nach dem Mutterland Burgund geschaut und dann kommen Oregon und Neuseeland als treffende Herkunftsländer von delikaten Pinot Noirs. Deutschland hat hier deutlich mehr Potential, wir haben sicherlich die besten Voraussetzungen der „Burgund-Verfolger“, werden aber noch zu wenig beachtet.

 

Pinot Noir 2

Eine Magnum von einem der meist gesuchtesten Weine der Welt. Ein gutes Beispiel dafür, was die Fazination Pinot Noir im Preis ausmachen kann; geschätzter Wert: 35.000,00 €

 

Eine wichtige Grunderkenntnis gilt es aber im deutschen Weinanbau zu verinnerlichen. Wir brauchen neben Pinot Noir andere wertige Rotweinrebsorten jenseits von Dornfelder und Neuzüchtungen, die es uns ermöglichen den Konsumenten dichte, tiefdunkle und spannende Rotweine zu liefern, die eher den Erwartungen entsprechen. Müssen die Winzer für diese Produkte nicht den Pinot Noir hernehmen, bekommen sie die Freiheit Pinot Noir seine volle Delikatesse und Eigenheit versprühen zu lassen, die dieser Rebsorte weltweite Bekanntheit verschafft hat.

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