Niedrigere Alkohol-gehalte in unseren 2014er Weinen

Bei der Gestaltung unserer Etiketten für den neuen Jahrgang ist uns ein kleines, aber kein unwichtiges Detail aufgefallen: Die Alkoholwerte sind überall etwas tiefer als im Vorjahr. Eine Entwicklung, die wir sehr begrüßen, aber auch bewusst gesteuert haben. Doch wie geht das? Und wie wirkt sich das auf die Qualität und auf den Geschmack des Weines aus?

 

Felix Peters beim Verkosten der neuen 2014er Jahrgängen mit niedrigeren Alkoholwerten.

Felix Peters beim Verkosten der neuen 2014er Jahrgängen mit niedrigeren Alkoholwerten.

 

Um das eindrücklich zu erklären, beginnen wir am Besten mit der Ernte: Der Alkoholgehalt im Wein wird durch den Zuckergehalt der Trauben bestimmt. Während der alkoholischen Gärung wandeln die Hefen den Traubenzucker in Alkohol, Wärme und Kohlensäure um. Haben die Trauben eine hohe Reife, verfügen sie auch über mehr Zucker. Durch Fäulnis wird der Zucker in den Beeren weiter konzentriert, da der Fäulnispilz die Beerenhaut durchlöchert. So kann Wasser entweichen und der Zuckergehalt in den Beeren steigt an.

Mit diesem Wissen kann man den Zuckergehalt der Beeren bzw. den Alkoholgrad des Weines also durch den Lesezeitpunkt steuern und auch den Fäulnisgrad der Trauben sollte man immer im Auge haben.

Doch hier liegt auch die Schwierigkeit während der Lese im Herbst: Wir versuchen die Trauben schon im Weinberg so zu beurteilen, dass wir Rückschlüsse auf den späteren Wein erhalten. Wichtig ist, wie gesund die Trauben sind, welchen Zuckergrad sie haben und welche weiteren analytische Parameter sie zeigen. Vor allem aber auch, wie sie schmecken! Der Geschmack und das Probieren der Trauben im Weinberg ist bei St. Antony ein sehr wichtiger Bestandteil der Entscheidung. Hierbei können wir die wertvollsten Erkenntnisse und Erfahrungen über unsere verschiedenen Weinberge im Herbst sammeln.

 

Der Geschmack und das Probieren der Trauben im Weinberg ist bei St. Antony ein sehr wichtiger Bestandteil der Entscheidung zum optimalen Lesezeitpunkt.

Beim Naschen im Weinberg: Der Geschmack und das Probieren der Trauben im Weinberg ist bei St. Antony ein sehr wichtiger Bestandteil der Entscheidung zum optimalen Lesezeitpunkt.

 

Eine dieser Erkenntnisse ist, dass wir einige Weinberge haben, die schon früh in der Reife ein tolles Aroma entwickeln. Diese Erfahrungen wenden wir an, um aromareiche Weine mit etwas weniger Alkohol zu keltern. Der Jahrgang spielt natürlich auch eine Rolle, denn ist die Reifephase durch warme Temperaturen und viel Sonne geprägt, schmecken die Trauben auch schon früh sehr gut. Darüber hinaus unterstützt der ökologische Weinbau die frühe aromatische Reife sehr.

In 2014 war dies zum Beispiel bei unserem Rosé der Fall: Dieser hat 11,0 % Alkohol und wenig Restzucker – trotzdem ist er sehr aromatisch und nachhaltig gehaltvoll im Geschmack. Unser 2014 Weißburgunder hat 11,5 % Alkohol – mit einer schönen Dichte und Ausgewogenheit.

Der Riesling ist auf den richtigen Böden auch früh in der Lage sehr aromatisch zu werden. In den Steillagen liegen zudem die Zuckerwerte immer unter denen der flachen Lagen, was wir uns beim Rotschiefer Riesling 2014 zu Nutze gemacht haben. Er wird mit 11,5% leicht im Alkohol sein, aber geschmacklich zeigt er eine tolle Vielfalt, Aromenkonzentration und einen schönen Schmelz.

Es ist aber nicht immer ganz einfach, im Herbst den richtigen Punkt zu erwischen, bei dem der Geschmack, Traubengesundheit und Zuckergehalt perfekt ist. Manchmal erreichen gleich mehrere Weinberge gleichzeitig den optimalen Lesezeitpunkt für unser Vorhaben. Da ist dann die Schlagkräftigkeit der Lesemannschaft gefragt. Wie in 2014 kann das sogar sportliche Ausmaße annehmen, doch das sind dann die Herausforderungen, die uns als Team besonders reizen.

Probieren Sie die ersten Vorboten des spannenden 2014er Jahrgangs, den wir wärmstens empfehlen können: Weißburgunder 2014, Chardonnay 2014 und Rosé 2014. Viel Vergnügen mit unseren Weinen!

Kommentare

  1. Siefeu

    Sehr interessante und lehrreiche Präsentation Ihrer Arbeit und deren Ergebnisse! Gute, leicht verständliche Darstellungen mit Herzblut und Sachverstand.
    Es irritiert als Verbraucher lediglich, dass Sie ausschliesslich von der Traube „Blaufränkisch“ berichten und die in Deutschland geläufigere Rebenbezeichnung „Lemberger“ überall meiden. Angst vor Konkurrenz – in diesem Fall bei den (hohen) Preisen?

    • St. Antony

      Vielen Dank erst mal für das tolle Kompliment und für Ihr Feedback. Die Bezeichnung „Blaufränkisch“ haben wir in der Tat bewusst gewählt, da zwar Blaufränkisch und Lemberger als eine Rebsorte betrachtet werden, doch im Gegensatz zu den Lemberger Klonen in Württemberg, die durch eine ständige Auswahl auf eine einzige Genetik reduziert wurden, greifen wir auf alte Blaufränkisch Populationen aus besonderen Weingärten in Österreich zurück, die aus hunderten verschiedenen Individuen bestehen. Mit diesem reichen Repertoire ausgestattet, kann der Blaufränkisch authentisch zeigen, wo er wächst. Er spiegelt unsere besonderen und warmen Weinberge wunderbar wieder und zaubert so einen überzeugenden Unterschied ins Glas.

  2. Frank

    … und welche weiteren analytische Parameter sie zeigen???

    • St. Antony

      Vielen Dank für das Interesse und die Nachfrage. Wir untersuchen Oechsle, pH Wert und Säuregehalt der Trauben, manchmal auch Ammonium und gewisse Aminosäuren.

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