Junges Gemüse und alte Hasen

Viele Leute fragen mich, wie alt wird ein Weinstock? Da sag ich: je älter desto besser!

Alte Hasen

 

Ganz so einfach ist das aber nicht. Für unsere Spitzenweine streben wir besonders alte Reben an. Unser Riesling 10morgen ist aus Reben, die sind älter als ich. Sie wurden 13 Jahre vor meiner Geburt gepflanzt, 1964. Für unsere Vorstellungen sind sie ein Geschenk für den 10morgen, denn alte Reben erbringen konzentrierte spannende Weine. Sie bringen aber auch weniger Ertrag und das ist für unsere einfacheren Weine, die auch preislich tiefer liegen, natürlich nicht sehr wirtschaftlich. Es sind auch die einzelnen Stockausfälle, die dann einen flächendeckenden Ertrag nicht mehr gewährleisten. Man sagt in der Weinbauschule, man sollte alle 20-25 Jahre die Weinberge neu pflanzen. Wir halten das nicht ganz so, und haben auch im Rotschiefer Riesling mittlerweile 35 Jahre alte Reben. Sehen wir aber, dass die Erträge zu weit in den Keller sacken, überlegen wir uns, den Weinberg neu zu pflanzen.

Pinot Noir im Zehnmorgen

In 2013 haben wir zwei super spannende Weinberge neu gepflanzt. Da ist zum einen unsere Monopollage Nierstein 10morgen, wo wir einen halben Hektar (5.000 Quadratmeter) mit besonderen Pinot Noir Reben gepflanzt haben. Dies sind keine Klone, also identische Genetiken bei jedem Stock, sondern eine sogenannte „selection massale“. Diese „Massenselektion“ ist eine Selektion aus verschiedenen Grand Cru Weinbergen aus dem Burgund, wo jeder einzelne Rebstock unterschiedlich ist. Allesamt Pinot Noir, jedoch mal einer mit kleinen Trauben, mal große Trauben und alles was halt dazwischen liegt. So haben wir eine enorme Vielfalt in diesem besonderen Weinberg und erhoffen uns davon mehr Differenzierung final im Wein. Im Übrigen ist diese Genetik kürzlich in Frankreich für den Export beschränkt worden und es ist nicht klar, ob man dieses wertvolle Material in Deutschland überhaupt noch bekommt. Naja, wir sind froh, dass wir es nun bei uns auf eigenem Grund haben. So könnten wir es selbst auch nach ein paar Jahren vermehren. Die 10morgen Terrasse, die wir gepflanzt haben, liegt direkt neben unserer 50 Jahre alten Riesling Anlage und weist einen sehr kalkigen, steinhaltigen Boden mit hohem Tonanteil auf. Wundervolle Voraussetzungen für Pinot Noir!

 

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Blaufränkisch im Pettenthal

Die zweite Neupflanzung ist ebenso spannend! Wir haben im Pettenthal ein zentrales Stück neu mit Blaufränkisch bepflanzt. Wenn man von außen auf den Weinberg schaut, macht alles einen friedlichen Eindruck, die Reben sind grün und gedeihen. An der Oberfläche sieht man zwar eine stark rote Auflage mit kleinen Schiefersteinchen, aber man ahnt nicht welche Felsen im Untergrund anzutreffen sind. Als wir den Weinberg nach der Rodung der alten lückenhaften Rieslinganlage bearbeiten lassen wollten, war das nicht so einfach. Wir dachten, der Weinbergsboden sollte einmal gepflügt werden. So beauftragten wir einen Landwirt mit entsprechenden Traktor und Anbaugeräten. Der Landwirt beschädigte seinen Pflug und seine Fräse zwei Mal in unserem Pettenthal an den Felsen im Untergrund. Auch war der Sound des 200 PS Traktor bemerkenswert, als er den Pflug im Boden hatte – er hatte einiges zu tun. Dazu fällt mir nur die Bauernregel ein: „Wo ein Pflug kann gehen, soll keine Rebe stehen.“

 

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Gepflanzt haben wir dann Ende April diesen Jahres ebenfalls eine „selektion massale“ Blaufränkisch. Die sogenannte Selektion Iby aus dem Burgenland ist eine besondere Auswahl von ursprünglichen Blaufränkisch Genetiken. Die kleinen Reben zeigen, dass der Boden voller Steine und Felsen ist, aber wir glauben, haben sie es erstmal geschafft hoch zu kommen, wird ein großer Wein entstehen!

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