Erntebericht 2017

Der Jahrgang 2017 ist ein Schicksalsjahrgang.
Es gab mehrere Anlässe und Gründe, warum die Erträge in den Weinbergen teilweise sehr gering waren. Man musste sich manchmal als Winzer selbst kurz fragen, warum das jetzt so bei den einzelnen Weinbergen war. Man nennt das einen „neidischen Herbst“. Erträge variierten enorm, hier alles gut, daneben schlimm, drüben geht so.  Meistens jedoch tendierten die Mengen stark nach unten. Frost, Trockenheit, Hagel, Fäulnis waren die Gründe. Die Natur nahm sich also, an mehreren Zeitpunkten im Jahr, immer wieder ein Stück der Ernte.
Beginnend mit dem Frost Ende April, der sehr verheerend war. Viele Triebe waren europaweit, nach dem Kälteeinbruch, schwarz weggetrocknet.
Jedoch nahmen auch die Weinberge Schaden, die dem Frost gerade so entkommen sind.
So waren am Roten Hang im unteren Ölberg und Orbel keine großen Schäden sichtbar, jedoch war der Fruchtansatz nach dem Kältestress sehr gering, was sich erst im Jahresverlauf zeigte.
Die Periode von Mai bis Juli war sehr trocken, in den Steilhängen wuchsen zwar viele Trauben, aber alle blieben sehr klein mit wenig Beeren. Die Wettersituation im Sommer 2017 bleibt mir als enorm energiegeladen in Erinnerung. Mehrere Tage hintereinander steigerten sich die Temperaturen und die Hitze wurde immer wieder durch Gewitter beendet, so erlebten wir die heftigsten Gewittergüsse im Pettenthal, seit etlichen Jahren. Unwetterartige Niederschläge trafen Nierstein, die sonst an uns vorbeiziehen. Wir wurden mit einer kleinen Ausnahme vom Hagel verschont, im Gegensatz zu vielen Kollegen, die Opfer einer der ungewöhnlich großflächigen Unwetterzellen wurden.
Ab August wurde es dann feucht. Der nun ergiebige Regen ließ die Vegetation wieder fortschreiten und das in einer Zeit, in der alle Arbeitskräfte ihren Urlaub vor der Ernte genossen. Die Triebe wuchsen, die Begrünung in den Weinbergen lief hoch auf. Unser Außenbetriebsleiter blies seinen Sommerurlaub ab und pflegte den gesamten August die Weinberge, als wäre es Mai. Das war eine Schlüsselphase im Jahrgang, denn das vegetative Wachstum musste in Schach gehalten werden, um die Belichtung und Gesundheit der Trauben zu gewährleisten. Auch konnte nur in den frisch gemähten Gassen das überschüssige Wasser gut verdunsten. Hektar um Hektar wurde mit der Motorsense die Begrünung unter den Weinstöcken, per Handarbeit, kurzgehalten. Arbeitsintensive Maßnahmen, die sich nachher auszahlten.
Viele Trauben schmeckten bereits Ende August, der Jahrgang war recht früh. Der Austrieb war nicht rekordverdächtig, die Blüte war auch nicht wirklich zeitig, jedoch reiften die kleinen Mengen an Trauben schnell im warmen Sommer. Der Herbst rückte näher und näher, bis er dann viel früher als erwartet am 11. September begann.

Pinot Noir, 10morgen und Paterberg wurden bei mustergültigen analytischen Werten gelesen. Die Erträge durch unsere Ausdünnung gewohnt niedrig und die Trauben aromatisch wirklich gut. Als am 15. September ein recht ergiebiger Landregen einsetze waren die wichtigsten Pinot Noir Weinberge sehr selektiv abgeerntet. Es waren weitaus größere Regenmengen gemeldet und wir waren froh, dass der Wetterdienst unzuverlässig war und wir vom großen Regen verschont blieben. Ab dem 19. September begannen wir mit der Lese für unseren Rosé und Weißburgunder. Die Qualitäten und Mengen waren gut, was uns nach der kleinen Ernte bei den Burgundersorten in 2016 absolut freute. Ab dem 22. September begannen wir uns dem Riesling zu widmen; hier war die Euphorie über die Mengen nicht so groß, auch qualitativ musste enorm selektioniert werden. Unser Leseteam wurde aus Vorsicht um zwanzig Prozent aufgestockt und die Lese 2017 lehrte uns Geduld. War die Selektion im Jahrgang 2015 und 2016 deutlich einfacher aufgrund der Trockenheit vor der Lese, so musste in 2017 ein deutlich höherer Zeitaufwand für die Lese geleistet werden, um die Qualität aus dem Jahrgang herauszuholen. Noch im September beendeten wir die Rieslinglese, so früh wie noch nie.

So unterschiedlich die Erträge von Weinberg zu Weinberg waren, so waren auch die Qualitätsunterschiede. Während das gesamte Pettenthal (vielleicht aufgrund seines besonderen Mikroklimas) hervorragende Qualitäten für Rotschiefer und Großes Gewächs lieferte, so stehen wir noch uneinig vor einigen Fässern.

Zwischen den verschiedenen Orbelpartien gibt es große Kluften, von wirklich großartig bis große Fragezeichen im Gesicht ist alles dabei. 10morgen zeigt im gärenden Stadium beeindruckende Qualität. Hipping verspricht bereits viel.Während der Rieslinglese unterbrachen wir kurz, um unsere Chardonnay Trauben zu lesen.Die Moste blubbern nun komplett in kleinen Holzfässern.Ganz am Schluss der Lese kamen die Blaufränkischen an die Reihe. Wie häufig zeigten sich diese Rebsorten teilweise komplett unbeeindruckt von den Wetterkapriolen. Zudem steht etwa die Hälfte unseres Blaufränkisch im Pettenthal, sodass die Trauben eine tolle Reife und ein bestechendes Aroma hatten. Die 2017er Rotweine, Pinot Noir undBlaufränkisch darf man nicht unterschätzen oder mit einem Jahrgangsvorurteil belegen, man sollte ihn hingegen probieren und sich überzeugen!
Der Jahrgang 2017 ist sehr heterogen ausgefallen. Mir persönlich gefallen die weißen Burgundersorten, Blaufränkisch und Pinot Noir sehr gut.  Das Potential bei den Lagenrieslingen ist in einigen Partien groß. Die Säure und die geringen Mengen erinnern ein wenig an 2010 (was sich erst nachträglich als ein großes Jahr herausgestellt hatte), die Partien müssen sehr penibel ausgesucht werden. Mit hohem handwerklichen Aufwand haben wir über das ganze Jahr in unseren Lagen gekämpft, im Keller werden wir unsere Weine sorgfältig begleiten und aussuchen, und somit auch mit dem Jahrgang 2017 etwas ganz Besonderes ins Glas zaubern.

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Der Nachwuchs unseres Kellermeister wurde zu Beginn der Weinlese geboren

 

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