Gedanken und Erklärungen zur öffentlichen Diskussion über Herbizide

Uns persönlich sind Unkrautvernichtungsmittel mehr als  suspekt — und das nicht nur, weil wir seit Jahren aus voller Überzeugung ökologischen Weinbau betreiben und dort Herbizide nicht erlaubt sind. Es sind zwar wirkungsstarke Mittel, die dem Landwirt helfen Geld zu sparen und Prozesse abzukürzen, aber im Weinbau sehen wir die mechanische Unkrautbekämpfung als ebenso einfach wie kostengünstig an. Als Weingut mit einem hohen Qualitätsanspruch, stehen wir dem Einsatz von Herbizide jedoch auch aus ganz anderen Gründen äußert kritisch gegenüber, aber dazu später mehr.

 

Intakter Weinbergsboden

 

In den Medien ist in den letzten Wochen der Herbizidgebrauch in der Landwirtschaft zum Thema geworden. Nicht zuletzt die Berichterstattung der Bildzeitung, dass Herbizidrückstände in der Muttermilch gefunden wurden, ließ viele aufhorchen. In diesem Falle ging es um das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat. Doch was ist dieses Glyphosat eigentlich für ein Mittel?

Glyphosat blockiert ein Enzym, das zur Synthese von essentiellen Aminosäuren in Pflanzen, wie auch in den meisten Mikroorganismen, benötigt wird. In der Folge stirbt die Pflanze, die mit dem Mittel in Berührung kommt. Das Mittel wirkt schnell innerhalb von wenigen Tagen und ist in vielen landwirtschaftlichen Bereichen im Einsatz.

Der Hersteller und Patenthalter von Glyphosat ist der amerikanische Konzern Monsanto. Er hat dieses Mittel 1974 auf den Markt gebracht und seitdem die konventionelle Landwirtschaft beängstigend revolutioniert. Monsanto lieferte das Unkrautvernichtungsmittel und entwickelte parallel durch Genmanipulation resistente Kulturpflanzen, die zu jedem Stadium ihres Wachstums das Glyphosat ertragen, während alle anderen Unkräuter absterben. Diese veränderten Kulturpflanzen (u.a. Soja, Raps, Baumwolle, Mais) werden heute in den USA, Argentinien und Brasilien angebaut, in Deutschland dagegen spielen glyphosatresistente Nutzpflanzen noch keine Rolle. Man kann sich gut vorstellen, dass diese Erfindung Monsanto reich und mächtig gemacht hat. Sie liefern nicht nur Unkrautvernichtungsmittel, sondern auch noch das genveränderte Saatgut und der Acker kann wie im Handumdrehen unkrautfrei gehalten werden.

Mit viel Aufwand pflegt Monsanto das Image von Glyphosat in der Öffentlichkeit. So wurden verschiedene Studien zur Gesundheitsgefährdung des Mittels finanziert. In zwei Fällen hat die amerikanische Umweltbehörde EPA Labore der bewussten Fälschung von Testergebnissen überführt, die unter anderem von Monsanto mit Glyphosatstudien beauftragt waren. Das war 1983 und 1991, worauf Monsanto weitere Labore mit Studien beauftragte.

Bis heute gilt es als umstritten, ob Glyphosat die Gesundheit tatsächlich schädigt. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) sieht in einem Bericht von Dezember 2013 keine Gefahren für die Gesundheit von Mensch und Tier. Die Krebsforschungsagentur IARC der Weltgesundheitsorganisation WHO stufte den Wirkstoff dagegen im März dieses Jahres als „wahrscheinlich krebserregend“ ein.

Der Einsatz von Herbiziden im deutschen Weinbau ist weit verbreitet, oft wird auf einem Streifen entlang der Weinstöcke das Unkraut in der Regel zwei Mal im Jahr abgespritzt.
Die meisten Weinberge in Deutschland sind jedoch mit dem Traktor gut befahrbar. Die Technik hat sich in den letzten 20 Jahren soweit verfeinert, dass mehrere Geräte in einer Durchfahrt kombiniert werden können. So können wir das Gras zwischen den Zeilen mulchen/mähen und dabei gleichzeitig mechanisch das Unkraut unter dem Stock entfernen, ebenso wenn wir pflügen/grubbern. Das bedeutet also keinen zusätzlichen Aufwand mehr. Daher ist es in normal befahrbaren (nicht zu steilen) Weinbergen in unseren Augen jedem Winzer zumutbar, auf Herbizide zu verzichten. Wir haben im Steilhang die Technik vom Traktor auf die Raupe übertragen, so dass wir auch hier problemlos das Unkraut mechanisch entfernen können. Dazu waren einige Entwicklungen nötig, die jetzt aber sehr gut funktionieren.

Was uns aber speziell beim Einsatz vom Glyphosat Sorgen macht, ist die Hemmung der Bodenorganismen. Die sogenannte Mykhorizza, ein Pilzgeflecht, das symbiotisch an der Weinwurzel hängt, wird durch Glyphosat geschädigt. In einem früheren Blogeintrag haben wir schon einmal über den Einfluss der Mykhorizza auf den Wein geschrieben. Dieser Pilz ist sehr wichtig für die Weinpflanze und auch für die Ausprägung und Qualität der späteren Weine. Darüber hinaus ist die Lebendigkeit des Bodens stark eingeschränkt nach einer Herbizidbehandlung. Das sieht man an dem häufig wachsenden Moos in behandelten Anlagen. Wenn man sich vor Augen hält, dass Moos auf Steinen wächst, bekommt man eine Vorstellung in wie weit Herbizide das Bodenleben beeinflussen. Aus unserer Erfahrung ist ein lebendiger und gesunder Boden Grundvorraussetzung für einen guten Wein.

Doch warum wird gerade jetzt über Glyphosat öffentlich in den Medien diskutiert? Das EU-weit seit 2002 erlaubte Mittel wurde zunächst nur bis zum Ende dieses Jahres zugelassen. Wird die Zulassung nun verlängert? Es ist zu befürchten.

Kommentare

  1. SI

    in der selben WHO Kategorie findet sich im übrigen auch Mate-Tee…. ebenfalls wahrscheinlich krebserregend… das die Studie in der Glyphosat in der Muttermilch gefunden wurde, alles andere als wissenschaftlich war, ist ja mittlerweile auch klar! Den letztendlich ist die Untersuchung an 16 Probanden alles nur nicht aussagekräftig…..

  2. Elmar Heither

    Traurig an der gesamten Diskussion ist die Tatsache, das beratende Stellen die Glyphosat-Anwendung verharmlosen. Glyphosat zur Ernteerleichterung und damit flaechendeckende Behandlung von Boden und Microorganismen. Im Prinzip waere diese Vorgehensweise vergleichbar wenn man uns Menschen eine vorbeugende Antibiotikaeinahme zur Wintersaison empfehlen wuerde.

  3. Manfred Pradka

    Ich bin über viele Jahre im Pflanzenschutz tätig gewesen und kann Ihren Feststellungen zu Glyphosate nicht folgen. Ich möchte extra betonen, dass Glyphosate nicht zum Programm des Herstellers gehörte, für den ich weltweit tätig war. Es bleibt Ihnen unbenommen, sich für einen ökologischen Anbau zu entscheiden, Sie sollten allerdings nicht der Hysterie grüner Geschichtenerzähler folgen, die, wie Sie der Industrie unterstellen, mit Werten privater Labors arbeitet, um Daten zu manipulieren. Eher ist das Gegenteil der Fall! Grüne Organisationen benutzen in der Branche völlig unbekannte Labors zur Untersuchung insbesondere im Moment zu Glyphosate, um die Unbedenklichkeit zu widerlegen. Hier werden klar Daten manipuliert, da mit Aufwandmengen in den Untersuchungen gearbeitet wird, die völlig praxisfremd sind.
    Die Medien aller Linkscouleurs stoßen in das gleiche Horn und schrecken selbst vor Lügen nicht zurück. Glyphosate metabolisiert innerhalb von max. 6 Wochen nach der Applikation, in seine harmlosen Metaboliten und ist, im Gegenteil zu dem was Sie bemerken, nicht bodenpersistent. Wie ein Herbizid außerdem eine fungizide Wirksamkeit haben kann, die bis tief zu den Wurzeln von Weinstöcken reichen soll, gleicht einem Wunder und dass diese zweidimensionale Wirkung von Monsanto noch nicht erkannt und entsprechend kommerzialisiert wurde, wundert mich. Im Übrigen stammt das sehr zweifelhafte Ergebnis der WHO-Organisation von der Fakultät, die auch Fleisch und Wurst als kanzerogen eingestuft hat.
    Eine seriösere Abteilung der WHO ist eindeutig zum Schluss gekommen, Glyphosate ist nicht kanzerogen. Man stelle sich vor, das Produkt wird seit 1974 weltweit eingesetzt. Auch, und vor allem in den Entwicklungsstaaten, deren Bevölkerung rasant wächst, statt an Krebs zu sterben und das Gleiche gilt für die Industriestaaten, deren Bevölkerung immer älter wird und damit zu einem Problem für die Rentenkasse. Motto für die Industrie: Tut doch endlich etwas dagegen,
    last die Völker an Hunger sterben, statt an Krebs. Polemik nutzt da wenig, wie wollen Sie ohne Gentechnik und Pflanzenschutz in Zukunft die 10 Milliarden der Welt ernähren? Mit mechanischen Mitteln im Anbau und Behandlung der Kulturen? Da kommen Sie regelmäßig viel zu spät! Bis Sie den Traktor angeworfen haben, waren die Insekten schon da, neben Ungräsern und Unkräutern, Pilzen, Nematoden etc. und usw.
    Nichts für Ungut.

  4. Anika Brockmann

    …na Herr Pradka, da Sie ja offenbar aus der Branche kommen, lesen Sie doch mal das Buch „Food Crash“ von Felix zu Löwenstein – selbst Landwirt. Nicht nur darin wird wieder einmal deutlich, dass die konventionelle Landwirtschaft, die auch auf Wirkstoffe wie Glyphosat setzt, keine Perspektive für die wachsende Weltbevölkerung ist. Ganz im Gegenteil.
    Im letzten Absatz schreiben Sie es ja selbst: „Bis Sie den Traktor angeworfen haben, waren die Insekten schon da, …“ Dass also langfristig andere (biologische) Lösungen gefunden werden müssen, liegt also auf der Hand, oder?
    Nichts für Ungut. Einfach mal weiterdenken.

Jetzt kommentieren

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.