Der ökologische Pflanzenschutz und die Herausforderung 2016!

Häufig werde ich gefragt „Spritzt ihr eure Weinberge überhaupt im ökologischen Weinbau?“, die Antwort ist ganz klar: „Ja!“. Ohne Spritzungen würden die beiden Hauptkrankheiten echter Mehltau (Oidium) und falscher Mehltau (Peronospora) unseren Ertrag im Weinberg vernichten. Grundsätzlich verwenden wir keine Herbizide (Unkrautvernichtungsmittel) und keine Insektizide (Mittel gegen Schadinsekten).  

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Pflanzenschutzspritzungen im Öko-Weinbau ‚ auschließlich Kontaktmittel

Wir sind im ökologischen Weinbau generell stark eingeschränkt bei den Spritzmitteln, aber einfache Kontaktmittel sind erlaubt. Die Mittel werden in Konzentrationen von einigen 100 Gramm pro Hektar bei Kupfermitteln bis hin zu 4-5kg pro Hektar bei Schwefel mit Wasser vermischt (200 – 500 Liter Wasser pro Hektar) und dann durch die Düsen einer Pflanzenschutzspritze im Weinberg fein versprüht. Kontaktmittel sind Stoffe, die die Krankheitserreger (meistens Pilze oder deren Sporen) bei Kontakt außerhalb der Pflanze vernichten oder in ihrer Anzahl stark verringern. Am häufigsten gebräuchlich sind hier Netzschwefel und kupferhaltige Mittel (z.Bsp. Kupferhydroxid) und seltener auch Gesteinstmehl am Anfang der Vegetation, später dann Backpulver und in der Vergangenheit auch Fenchelöl.Gesteinstmehl soll auch die natürlichen Abwehrkräfte der Rebe stärken.  Kontaktmittel können durch Niederschlag leicht abgewaschen werden und wirken daher nicht sehr lange. Die Industrie hat hier sogenannte systemische Mittel für den konventionellen Weinbau entwickelt, die in die Pflanze einströmen und durch die Saftströme der Pflanze zirkulieren. Diese Mittel sind im ökologischen Weinbau nicht erlaubt. Vorteil dieser Spritzmittel ist die Ausbreitung und der Schutz aus dem Inneren der Pflanze heraus. Nachteil ist, dass die Stoffe in der Pflanze dann auch in der Traube und später im Wein zu finden sind. Zudem haben manche dieser systemischen Mittel so spezielle Wirkungsmechanismen, dass der Erreger Resistenzen entwickelt und damit die Stoffe nicht mehr wirken. Bei den ökologischen Kontaktmitteln ist das nicht zu erwarten, da durch sie bei Kontakt das umgebende Milieu der Pilzerreger grundlegend verändert wird.

Zur Zeit kämpfen weite Teile Europas gegen den falschen Mehltau, die sogenannte Peronospora. Sie tritt häufig auf, wenn die jungen Triebe einige Blätter entwickelt haben und es dabei bei milden Temperaturen genügend geregnet hat. Die Sporen dieser Krankheit sitzen im Boden und können nach einer gewissen Temperatur- und Regenschwelle durch Wasserspritzer an die Rebe gelangen. Hier entwickeln sie nach einer Inkubationszeit von ca. 6-10 Tagen an den Blättern der Rebe sogenannte „Ölflecke“, das sind hellere Verfärbungen, die durch ein Pilzrasen an der Unterseite des Blattes herrühren. Regnet es in dieser Phase dann häufiger, kann es immer wieder zu Infektionen kommen und schließlich können die Pilzsporen nicht nur Blätter befallen sondern auch die jungen Trauben. Extrem gefährlich ist das rund um die Rebblüte, da hier die zukünftigen Trauben durch ihre Entwicklung schlagartig ungeschützt sind. 

Momentan haben wir exakt diese Situation. Die Rebblüte ist momentan im Gange und wir erleben einen der stärksten Peronospora Befalle der letzten 20 Jahre. Tag täglich erfolgen neue Infektionen durch erneute Regenfälle in solch kurzer Taktung, wie wir es noch nicht erlebt haben. Wir sind extrem unruhig, da der Ertrag des Jahrgangs 2016 nun maßgeblich beeinflusst wird. Unsere ausgebrachten Kontaktmittel werden abgewaschen, wir können häufig die Pflanzenschutzmaßnahmen nicht kontinuierlich durchführen, da es immer wieder reinregnet. Ganz zu schweigen von den Möglichkeiten den nassen Weinbergsboden zu befahren. Die Steilhänge werden mit einem Spritzschlauch auf und ab gelaufen.  Es ist ein Marathon, es ist eine sehr aufreibende Phase. 

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Unser Pflanzenschutz wird immer wieder durch Regenfälle unterbrochen. Unsere Männer spritzen z.Zt. unsere Steilhänge händisch mit einem Schlauch, da Raupe und Traktor im nassen Weinberg nicht fahren können.

Qualitative Auswirkungen hat Peronospora nicht, wenn dann positive, da der Ertrag verringert wird. Wenn Beeren befallen sind, trocknen sie über den Sommer weg und werden nicht mitgelesen. Jedoch ist für uns Winzer ein gewisser Ertrag für die Wirtschaftlichkeit überlebenswichtig, daran hängt es momentan. Wir haben zur Zeit die Hoffnung, dass wir es ohne große Einbußen schaffen, aber die Natur ist unberechenbar. In drei bis vier Wochen haben wir Gewissheit, welche Einbußen die Peronospora verursacht hat. Drücken Sie uns die Daumen und genießen Sie ein handwerklich hergestelltes Glas Wein bewusster, es steckt sehr viel Hoffen und Bangen drin! 

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