Der EU Bio-Wahnsinn

Es ist ein großes schwarzes unbekanntes Ungetüm dieses Brüssel, diese EU mit seinen Bürokraten. Nein, ich bin nicht Europakritisch, aber ich bekomme das kalte Grausen, wenn ich von unklaren EU-Entscheidungen mitbekomme und sie am eigenen Leib erfahren muss. Was ist passiert?

 

blaetterwald

 

Der ökologische Pflanzenschutz wurde in Brüssel (oder von der Agrarlobby) überdacht. Man hat erstmal zwei essentielle Mittel, die im ökologischen Weinbau Anwendung finden, in der Zulassung auslaufen lassen. Es dreht sich um Mittel, die den echten und falschen Mehltau im Weinbau bekämpfen, beides extrem gefährliche Pilzkrankheiten für die Rebe. Es wurde der Einsatz des Pflanzenstärkungsmittel Frutogard im ökologischen Weinbau untersagt. Dies ist ein Braunalgenextrakt, welcher der Rebe hilft die eigenen Abwehrmechanismen zu stärken und vor allem während der empfindlichen Blütephase der Rebe, die anfälligen zukünftigen Trauben vor dem falschen Mehltau schützt. Man kann die Rebe auch anders schützen und zwar mit Kupferpräparaten. Jedoch finden Kupferpräparate schon in der restlichen Pflanzenschutzsaison Anwendung und man ist sehr daran interessiert, den Kupfereintrag in den Weinberg extrem gering zu halten, da sich Kupfer im Boden anreichert. Eine hohe Kupferbelastung im Boden führt zu einer stark eingeschränkten Fruchtbarkeit der Böden. Außerdem kann eine Kupfergabe in der Blüte den finalen Ertrag des Weinbergs reduzieren, was wirtschaftliche Konsequenzen für uns Biowinzer hat.

Das Produkt Frutogard ist einfach für den konventionellen Anbau als Pflanzenschutzmittel zugelassen worden, was eine Daseinsberechtigung als Pflanzenstärkungsmittel im ökologischen Weinbau verbietet. Was ist an dem Braunalgenextrakt so unökologisch? Warum konnte man es jahrelang für die Ökoproduktion einsetzen und jetzt auf einmal nicht mehr? So genau weiß das die oberste Stelle in Rheinland-Pfalz, die ADD wohl auch nicht. Heute erreicht mich eine E-Mail um 10:52 eine Mail mit der Nachricht, dass man Frutogard wohl doch aufbrauchen darf und somit dieses Jahr noch mal spritzen darf. Um 14:55 wurde es von der ADD wieder verboten. Das ist doch alles sehr lachhaft und zeugt von einem enormen Spannungsfeld zwischen der Agrarlobby und den Ökowinzern. Da ist schnell klar wer die Oberhand behält.

Das zweite Mittel was im ökologischen Pflanzenschutz verboten werden soll, ist das gewöhnliche Kontaktmittel Backpulver. Es ist Natriumhydrogencarbonat, was den EU Politikern anscheinend Sorgen bereitet. Komischerweise ist das wesentliche teurere Kaliumhydrogencarbonat weiterhin zugelassen. Das gewöhnliche Backpulver ist meist eine Mischung aus beiden Carbonaten. Die Wirkung ist banal und bei Kontakt mit Mehltau extrem wirksam. Zudem ist dieses Mittel für Mensch und Natur absolut ungefährlich. Wo die EU allerdings Natriumcarbonat weiter erlaubt ist in der Tiermast. Es wird der Tiernahrung im Mastbetrieb beigesetzt und verursacht vermehrte Wassereinlagerung bei den Masttieren. Fleisch aus solch einer Fütterung zurrt unter Wasserabgabe beim Braten zusammen. Ich glaube das kennen wir alle.

Für uns bedeutet dieser Wechselkurs der EU Vorgaben eine Risiko und unnötiger Mehraufwand. Und letztendlich wird unser Pflanzenschutz teurer und aufwändiger. Es geht enormer Unmut herum unter den Öko Winzern. Ich kann diese Änderungen nicht verstehen und empfinde sie als Fußangeln von praxisfernen Bürokraten, die am Abend der Entscheidung von der Agrarlobby zum Essen eingeladen werden.

Kommentare

  1. Andreas Durst

    Sehr schön beschrieben. Es ist zum k..ähäh, ja nein, doch: Es ist zum Haareraufen.

  2. Manfred Pradka

    Was würden diese Fortschrittsgeister der Euro-Bürokratie anstellen, wenn neben den Briten, was leider nicht sicher ist, alle anderen Mitgliedsstaaten aus diesem Verein der Freibeuter aller Gesinnungen genannt „Europäische Union“ auch austreten würden? Die schlechten Politiker regieren in den „Homelands“, die ganz schlechten in Brüssel. Mich wundert’s, dass man sich wundert!

  3. Manfred Gerber

    Ähnlich dem Löschkalk, welcher auch gut pathogene Bakterien desinfiziert. Glücklicher Weise bin ich nicht an Biozertifizierung gebunden.
    Düngemittel als PSM-Ersatz sind einfach zu preiswert, am Ende, ohne 600 € Pflanzenschutzkosten pro ha wäre der Bioanbau noch rentabler als der Konventionelle!?
    Ich verwende nur die 4: Kalk, Kaliseife, Backpulver und Kelpalge, mehr braucht man nicht.

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