Das Fassmysterium

Im Sommer kümmern wir uns im Keller vermehrt um unsere Rotweine und verkosten die Fassproben für die Zusammenstellung von Cuvées. Dabei stellen wir immer wieder große Unterschiede zwischen den Fässern fest, obwohl sie mit dem gleichen Wein abgefüllt werden und es sich um Fässer gleicher Bauart aus dem selben Holz handelt. Anscheinend gibt es noch weitere Faktoren, wie wir dieses Jahr erfahren durften.

 

In den kleinen Eichenfässern links im Bild bauen wir unsere Rotweine aus. Jedes einzelne Fass gibt seine eigene Prägung an den Wein ab.

In den kleinen Eichenfässern links im Bild bauen wir unsere Rotweine aus. Jedes einzelne Fass gibt seine eigene Prägung an den Wein ab.

 

Wir verwenden für die Rotweine spezielle Fässer, sogenannte Pièce, aus französischer Eiche von verschiedenen Fassbauern aus dem Burgund. Im Keller werden wir oft gefragt, ob es sich dabei um Barrique-Fässer handelt. In der Tat sind Barrique und Pièce zwei ähnlich aussehende Eichenholzfässer, doch sie stammen aus zwei verschiedenen Regionen. Das Barrique wird im Bordeaux gebaut, fasst 225 Liter und ist etwas länglicher geformt. Das Pièce hingegen hat 228 Liter Inhalt und kommt von burgundischen Fassbauern. Es ist gedrungener und kürzer, dafür mit etwas mehr Durchmesser. Wir benutzen diese Fässer bis zu fünf Mal; danach verkaufen wir sie weiter.

Zurzeit machen wir uns Gedanken über mögliche die Zusammenstellung von Cuvées und verkosten dafür im Keller konzentriert jedes einzelne Rotweinfass. Dies ist notwendig, da jedes Fass den Wein anders prägt. Wir stellen immer wieder große Unterschiede während des Ausbaus von Fass zu Fass fest. Das ist sehr verwunderlich, denn alle Fässer werden mit demselben Wein befüllt. Sogar vom gleichen Fassbauer können die Fässer mit der gleichen Holzherkunft und Bezeichnung sehr unterschiedliche Prägungen an den Wein abgeben. Ein spannendes Mysterium, das man in diesem Ausmaß gar nicht vermutet.

Eine weitere Entdeckung hat uns aber dieses Jahr noch mehr gewundert. In 2014 durften wir das erste Mal gebrauchte Rotweinfässer der berühmten Domaine Armand Rousseau im Burgund verwenden. Ein wertvoller Kontakt zur Domaine eröffnete uns die Möglichkeit, die Fässer von ihnen zu kaufen. Wir kennen den Fassbauer (die Tonnellerie Francois Frères), der dorthin liefert und kauften direkt auch bei ihm neue Fässer.

 

Ein für uns sehr wertvolles Fass vom Fassbauer Francois Frères, das wir gebraucht von der berühmten Domaine Armand Rousseau im Burgund kaufen konnten.

Ein für uns sehr wertvolles Fass vom Fassbauer Francois Frères, das wir gebraucht von der berühmten Domaine Armand Rousseau im Burgund kaufen konnten.

 

Nachdem der Wein nun ein knappes Jahr in diesen Fässern war und von ihnen geprägt wurden, konnten wir die Ergebnisse nun vergleichen. Die gebrauchten Fässer von der Domaine Armand Rousseau entwickelten in den Weinen eine wundervolle Frucht, die man bald schon blind aus den verschiedenen Fassproben herausschmecken konnte. Die enorme Qualität dieser gebrauchten Fässer war unglaublich und es war unheimlich spannend zu sehen, was sie in unseren Weinen bewirkten. Und obwohl die neuen, direkt gelieferten Fässer, vom gleichen Fassbauer stammen, waren sie nicht besonders gut. Zwar wirken sich neue und gebrauchte Fässer unterschiedlich auf den Wein aus, doch auch im Vergleich mit anderen Fassbauern fielen die neuen Fässer nicht unbedingt positiv auf. Wie ist das zu erklären?

Unsere Erfahrungen mit den burgundischen und den exportierten Fässern von Francois Frères lassen uns vermuten, dass es zwei Qualitäten gibt, was die Tonnellerie Francois Frères natürlich dementiert. Jahr für Jahr pilgern Winzer aus aller Welt ins Burgund und mit viel Glück erhaschen sie einen dieser raren Verkostungstermine auf den berühmten Domainen wie Romanée Conti oder Armand Rousseau. Im Keller werden dann die Verantwortlichen mit Fragen gelöchert, wie sie denn ihre köstlichen Weine machen. Die Fassfrage ist da auch ein zentrales Thema. Beide genannten Domainen kaufen ihre Fässer ausschließlich beim Fassbauer Francois Frères. Man kann sich gut vorstellen, dass sich das schnell herumspricht und dem Fassbauer eine gute Nachfrage beschert.

Wir würden uns solche Fässer, wie wir sie von der Domaine Armand Rousseau bekommen haben, jedes Jahr wünschen. Aber es steht zu vermuten, dass diese feinen Qualitäten den Winzern vor Ort vorbehalten werden und eine Exportware zweiter Güte existiert. Dieses Jahr konnten wir keine gebrauchten Fässer beziehen, da die Jahrgangsmengen klein war, doch wir hoffen auf das nächste Jahr. Bis dahin können wir die bewährten Fässer noch einmal verwenden.

Kommentare

  1. Heidborn,Jürgen

    Ein informativer und sehr offener, glaubwürdiger Einblick in Ihre Beschaffung und Produktion!
    Weiterhin viel Erfolg!

    J.H.

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