Aus Weiss mach Rot, beziehungsweise Blau

Klingt wie ein Wunder und für uns auch immer wieder ein kleines Abenteuer: Die Umveredelung einer bestehenden Anlage, eine alten Technik, die ursprünglich aus dem Obstbau stammt. In unserem Fall möchten wir Blaufränkisch auf alte Riesling Reben aufpfropfen, doch wie funktioniert das eigentlich?

 

Umveredelung

 

Bei der Umveredelung wird auf eine bestehende Rebe eine andere Rebsorte „eingesetzt“ und wächst durch die richtige Pflege an. So kann innerhalb eines Jahres die Rebsorte verändert und die Rebanlage erhalten werden. Man hat zwar ein Jahr Ertragsausfall, kann dafür aber die alten Reben erhalten, die bei bestimmten Rebsorten deutlich bessere Qualitäten bringen.

2009 haben wir bei St. Antony das erste Mal Weinberge umveredelt. Dafür braucht es die richtigen Fachleute, denn dieses Prozedere ist wie eine Operation am offenen Herzen. Nur erfahrene Operateure beherrschen das, in unserem Fall garantieren sie sogar einen erfolgreichen Anwuchs bei 90% der Reben, die richtige Pflege vorausgesetzt. Sogar die berühmte Domaine de la Romanée Conti ließ diese Firma in ihren Weinberge Hand an legen. So weit die Theorie, doch jetzt zur Praxis.

Zu allererst muss man im Winter die richtigen Routen, sogenannte „Edelreiser“ schneiden. Wir möchten Blaufränkisch auf Riesling Reben aufpropfen und sind dafür in den vergangenen Jahren häufig nach Österreich gefahren, die beste Quelle für ursprüngliche und unverfälschte Blaufränkisch-Genetiken, die wir für unsere Umveredelung nutzen wollen. Dieses Jahr konnten wir jedoch das Material aus unseren eigenen Anlagen schneiden, denn nach erfolgreichen Umveredelungen haben wir die spannenden Genetiken nun auch bei uns in den Anlagen.

Man schneidet die Triebe/Ruten der Reben und wickelt sie mit Zeitungspapier ein, danach kommen sie in Jutesäcke und diese kommen wiederum in perforierte Plastiksäcke. Anschließend kommen die Ruten ins Kühlhaus um dort bis zum optimalen Zeitpunkt zu lagern. Für eine erfolgreiche Veredelung braucht man Wärme — Tags wie Nachts, der beste Zeitpunkt ist Mitte/Ende Juni, wenn die Tage lang werden.

Am 18. Juni war es dann wieder so weit. Eine Gruppe Südamerikaner mit ultrascharfen Taschenmessern kamen zu uns ins Weingut, angeführt von Bernardo aus Frankreich.

 

Umveredelung

 

Sie packten die Säcke aus und prüften kritisch die Edelreiser. Es wird genau geschaut, ob die sogenannten „Augen“ (Triebknospen) intakt sind. Winterfröste, zu warme Lagerung oder Lichteinfluss können die Augen verändern, so dass sie für die Umveredlung nicht mehr taugen. Das sehen die Spezialisten direkt beim Anschnitt der Routen. Ist alles in Ordnung, werden die Routen im nächsten Schritt ins Wasser gestellt.

 

Umveredelung

 

Am nächsten Tag wird es ernst: Die Ruten werden ausgewählt, die mit den besten, intakten Augen werden in kleinere Ruten geschnitten und dann direkt vor der Veredelung im Weinberg in einzelne Augen aufgeschnitten.

 

So sehen die Augen dann aus, werden aber unmittelbar vor dem Veredeln erst so aufgeschnitten.

So sehen die Augen dann aus, werden aber unmittelbar vor dem Veredeln erst so aufgeschnitten.

 

Der eigentliche Umveredelungsprozess kann am besten in Bildern beschrieben werden. Bei den zu Rebstöcke wurde die Rinde im mittleren Stammbereich vorsichtig entfernt, um die richtige Stelle zu finden zum Einsetzen des Auges zu finden. Dazu wird durch einen T-Schnitt die innere, intakte Rinde am Rebstock vorsichtig aufgeschnitten.

 

Umveredelung

 

Hier wird dann das vorbereitete Auge eingesetzt, leicht angedrückt und anschließend mit einem Band umwickelt. Anschließend wird direkt unterhalb des eingesetzten Auges einer kleiner Schnitt in die Rinde gemacht um die Leitbahnen etwas zu stören. Das ist nötig um die enorme Saugkraft einer Weinpflanze an dieser Stelle zu unterbinden, um die kontinuierliche Versorgung des neuen Auges zu gewährleisten. Hier kann nun ein Trieb heranwachsen, der nächstes Jahr schon die ersten Triebe mit Trauben entwickeln kann.

 

Umveredelung

 

Ein bis zwei Tage nach der Veredelung muss die Laubwand der alten Rebsorte auf einen saftziehenden Trieb reduziert werden. Dadurch richtet der Weinstock seine Aufmerksamkeit auf das neu eingesetzte Auge. In diesem Stadium muss auch bewässert werden, wenn nicht, wie in unserem Falle, der Himmel seine Schleusen öffnet.

 

Die Augen der neuen Rebsorte drücken schon und bald treiben sie aus.

Die Augen der neuen Rebsorte drücken schon und bald treiben sie aus.

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